—
Ein Rendez⸗vons. 31
Dieſes Wort ſollte den unberufenen Zuhörern vergnügt und heiter klingen; aber Clementine glaubte einen tiefen Ernſt zu ver⸗ ſtehen, die ſchwere Bedeutung, welche in dieſen dreien, an ſich ſo unſchuldigen Worten lag.—„Ueber alle Maßen,“ hatte er geſagt und dabei dem Herrn Eugen mit dem rechten Auge zugeblinzelt. Ach! dieſes Geblinzel im Uebermaß ſeines Entzückens konnte ihm Clementinens ſonſt ſo reizbares Herz verzeihen; war Eugen nicht ſein Freund, und war es nicht begreiflich, daß der Freund dem Freunde durch eine kleine Pantomime zu verſtehen gab: Ich habe geſiegt, ich bin im Reinen, ich liebe ſie über alle Maßen? Ach! und er that es gar nicht ſo, als habe er wirklich erreicht, was er gehofft; er war ſo unbefangen und natürlich, und als Eugen ihn nochmals fragte, ob er mit Katharina nicht noch einen Spaziergang machen ſolle, antwortete er mit ſeltener Selbſtverlängnung:„nein, nein!“ und ſetzte hinzu:„Laß, Vater, genug ſein des grauſamen Spiels!“ 8 3
Somit waren dieſe Unterredungen zu Ende, und beide Paare gingen auf verſchiedenen Wegen nach der Stadt zurück— die Pro⸗ menade im Stadtgraben blieb in ihrer Stille und Einſamkeit hinter ihnen. Alles war glücklich von Statten gegangen und ſie von keiner Menſchenſeele geſehen worden— ſo glaubten nämlich die zwei Paare. Wir aber, die wir in unſerer Eigenſchaft als Erzäh⸗ Jer vas Terrain ſorgfältiger unterſuchen müſſen, als Jene es gethan⸗
können leider nicht umhin, dem geneigten Leſer zu eröffnen, daß
jene Zuſammenkunft nicht nur nicht ungeſehen, ſondern theilweiſe ſogar nicht unbehorcht geblieben war. Wir glauben ſchon Eingangs der Beſchreibung dieſer Promenade bemerkt zu haben, daß hier eine Menge Singvögel ihre luſtigen Lieder erſchallen ließen, namentlich Nachtigallen, denen das ſchattige Gebüſch an den Ufern des kleinen Baches ein ſehr lieber Aufenthalt war. Dieſe verſchiedenen Sing⸗ vögel nun als ein angenehmes Wild zu betrachten, war eine der Lieblingsbeſchäftigungen des Herrn Konrad Schoppelmann, na⸗


