30 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
„Ueber alle Maßen,“ jauchzte luſtig und laut lachend Herr Sidel.„Nun, das iſt prächtig, wertheſte Jungfrau,“ ſetzte er laut hinzu,„Sie können zufrieden ſein, er liebt Sie über alle Maßen.“
„O, wenn ich wüßte!“ ſeufzte Clementine.
„Was 2“
„Daß das Spiel nicht trügt.“
„O, darüber beruhigen Sie ſich,“ wiederholte der luſtige Rath und unterdrückte mit Mühe ſein Lachen.„Das kann ich Sie
verſichern, wenn Sie einmal geliebt werden, ſo muß es über alle Maßen ſein— über alle Schranken, ja, das iſt nicht anders mög⸗ lich.— Wollen Sie vielleicht noch einmal zupfen?“
„Gott ſoll mich bewahren!“ ſagte erſchrocken die alte Jungfer. „Ich bin zufrieden, denn er liebt mich ja über alle Maßen.“
„Bravo, bravo!“ rief in dieſem Augenblicke eine lachende Stimme hinter der Bank, und Clementine, die beſtürzt empor fuhr, ſah das Geſicht der gottloſen Katharina, die am Arme des Herrn Eugen hinter ihr ſtand und wahrſcheinlich die ganze Gänſe⸗ blumenzupferei mit angeſehen hatte.
„Bravo, bravo!“ wiederholte ſie laut lachend, und ihre Augen glänzten vor Vergnügen.„Kommen wir vielleicht zu früh zurück? Stören wir?“
.„O, in dem Falle,“ ſetzte Eugen luſtig hinzu,„wollen wir Beide noch einen kleinen Spaziergang machen. Ihr habt nur zu befehlen.“
„Ach, wie garſtig!“ ſagte Clementine mit geſenktem Haupte, „wie complicirt abſcheulich! ſo was hätte ich von Ihnen, Katha⸗ rine, in meinem ganzen Leben nicht gedacht.“
„Ich auch nicht von Ihnen,“ verſetzte vergnügt das junge Mäd⸗ chen,„das iſt ja erſchrecklich!“
„Er liebt Sie,“ ſagte Eugen.
„Ueber alle Maßen,“ ſetzte der luſtige Rath hinzu.


