Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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28 Zweinndzwanzigſtes Kapitel.

einſylbig, wie zu Anfang; aber es waren die Gedanken des jungen Mannes ganz anders geworden. Ihre Lippen ſprachen nur einzelne Worte, und ihre Augen glänzten und glühten.

Unterdeſſen hatte ſich der luſtige Rath beſtrebt, die Jungfer Clementine ſo angenehm und nützlich zu unterhalten, wie nur immer möglich, war aber dabei immer außerordentlich zart und zurückhal⸗ tend geblieben, wofür ihm die alte Jungfer auf's Innigſte in ihrem Herzen dankte. Er hatte von den Vögeln des Waldes und

von den Bäumen der Flur geſprochen; er hatte ſeine ſämmtlichen botaniſchen Kenntniſſe zu Hülfe gerufen und in ſeiner Eigenſchaft als Elephantenführer das Uebermögliche gethan, damit der Ehren⸗ dame die Zeit nicht lange würde. Er hatte geſprochen von Ster⸗ nen und Blumen, in kindlichſter Einfalt, und Clementine hatte ebenſo kindlich gelauſcht. Nur einmal, und darüber ſchauderte ſie noch nach acht Tagen, hatte ſie in dieſem harmloſen Geſpräche die Offenſive ergriffen und ihn gefragt, was eine Lotusblume ſei, und darauf hatte ſie zitternd geſeſſen, indem ſie gefürchtet, er werde dieſe Frage zum Anknüpfungspunkte nehmen und darauf von ſeinem Herzen ſprechen, das erzittert und gebebt unter der Liebe Macht.

Aber er that es nicht, er bezwang ſich auch dieſes Mal und verſicherte mit einem lächelnden Blick, die Lotusblume ſei ein orien⸗ taliſches Gewächs und ihm nur aus Liedern bekannt.

Aus Liedern, hat er geſagt und dann einen Augenblick ge⸗ ſchwiegen? Wie dankte ihm Clementine in ihrem Innern auf's Neue für dieſe überzarte Aufmerkſamkeit! Ja er trieb die Unbe⸗

fangenheit noch weiter, und als er von der Lotusblume geſprochen

und dann geſchwiegen, bückte er ſich zur Erde nieder und zupfte ein harmloſes Gänſeblümchen, das er der alten Fimgfa mit freund⸗ lichem Blick vor's Auge hielt.

Kennen Sie dies? fragte Herr Sidel.

Ja wohl, antwortete Clementine.

Kennen Sie auch das Spiel, das damit getrieben wird?

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