Zweiundzwanzigſtes Kapitel.
chen ſtehen und holte ſo tief Athem, daß es wahrhaft erſchreck⸗ lich war.
„Katharine,“ ſagte der junge Mann und machte den Verſuch, ſie an der Hand ſo weit herumzudrehen, daß ihr Geſichtchen, wel⸗ ches ſie abgewendet hielt, ſich nach ihm hinwandte;„Katharine,“ wiederholte er nach einer kleinen Pauſe,„wie freut es mich, daß Sie gekommen ſind, wie dankbar bin ich Ihnen dafür!“
Es iſt etwas ganz Eigenthümliches um einen ſchmalen Weg und um eine einmal ergriffene Hand; die Wärme, die herüber und hinüber ſtrömt, hat eine wahrhaft magnetiſche Kraft, und magne⸗ tiſche Kraft hat die bekannte Eigenſchaft, entweder zwei Körper von einander abzuſtoßen oder zu einander hinzuziehen. Hier ge⸗ ſchah nun das Letztere, und als Eugen zum dritten Male den Na⸗ men„Katharine“ ausſprach, drückte er das glühende zitternde Mädchen feſt an ſeine Bruſt und hob ihr Geſicht ein klein wenig in die Höhe, und wir müſſen eingeſtehen, daß er ſie zuerſt auf ihre beiden Augen küßte, blos in der guten Abſicht, die Thrä⸗ nen daraus zu entfernen, und dann auf den friſchen, leicht geöff⸗ neten Mund.
Nachdem dies geſchehen, war es, als ſei ein Bann von den Beiden genommen, als haben ſie jetzt erſt die Sprache gefunden, in welcher zwei Liebende überhaupt zuſammen ſprechen ſollen. Da wurde alles das ausführlich erzählt und beſchrieben, alle die Ein⸗ zelheiten, die für ein junges Paar ſo wichtig ſind und für andere Leute ſo außerordentlich langweilig: wann ſie ſich zum erſten Male geſehen, was jedes dabei gedacht, geglaubt und gehofft, was un⸗ terdeſſen Wichtiges vorgefallen ſei, kleine Verleumdungen guter ältlicher Damen und Herren, die man gegenſeitig über ſich habe hören müſſen, aber natürlicher Weiſe nie geglaubt. Bei dieſen lieblichen Redensarten hatte Eugen die Hand des Mädchens los⸗ gelaſſen, dabei aber den Arm um ihre ſchlanke Taille gelegt—
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