Ein Rendez⸗vous. 23
einen Augenblick geſchwiegen, brachte die gleichgültigſten Dinge vor; er meinte, es ſei ein herrliches und erfriſchendes Wetter, zugleich aber fürchte er, es werde morgen ſehr heiß werden oder gar in der nächſten Nacht ein Gewitter kommen, wie geſtern geſchehen.
Clementine faßte Muth und dachte: wie zart iſt dieſer junge Mann, wie verſteht er es, ſich zu mäßigen, wie weiß er das bren⸗ nende Feuer ſeiner Liebe, das er in jenem Schreiben ſo glühend ausgedrückt, vor mir zu verheimlichen!— GottW! ſie fürchtete im⸗ mer, er werde jener Zeilen, die an ſie gerichtet, erwähnen— doch er that das nicht. Nur einmal zitterte Clementine heftig zuſam⸗ men; da nahm er nänlich ſeinen Stock zur Hand und ſchrieb damit einige Buchſtaben auf die Erde, wobei er ſie mit einem viel⸗ ſagenden Blicke anſah. Weiter that er gar nicht, als ob je etwas zwiſchen ihnen vorgefallen ſei. Clementine, entzückt über dieſes äußerſt zarte Benehmen, konnte nicht umhin, ihn mit einem dank⸗ baren Blicke zu belohnen; doch hatte dieſer dankbare Blick eine Beimiſchung von Liebe.
Das andere Paar war unterdeſſen den ſchmalen Pfad hinab⸗ gegangen und hatte anfänglich auch nicht viel Beſſeres und Wich⸗ tigeres geſprochen, als Herr Sidel und Jungfer Strebeling. Sie hätten auch vielleicht gerade eine eben ſo große Entfernung zwi⸗ ſchen ſich gelaſſen, wie die eben Genannten, wenn das möglich ge⸗ weſen wäre; aber der Weg, auf dem ſie wandelten, war ſo außer⸗ ordentlich ſchmal, daß ſie nothwendiger Weiſe dicht neben einan⸗ der gehen mußten. Dabei berührten ſich zuweilen ihre Hände, und wenn das geſchah, ſo erröthete Katharina und blickte verlegen, auf die linke Seite, während Eugen lächelte. Dieſes Berühren der Hände kam nun nach und nach häufiger vor und auf einmal ſtockte das gleichgültige Geſpräch über Wetter und Blumen, und gerade in demſelben Augenblicke, wo Eugen ihre kleine Hand faßte und mit einem ſanften Drucke feſthielt, blieb auch das junge Mäd⸗


