Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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22 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

hierüber gar nicht beſtürzt zu ſein; denn er ahnte den Zuſammen⸗ hang und erhob ſich von ſeiner Bank, die alte Jungfer freundlich begrüßend.

Mein Fräulein! ſprach er,Sie haben wahrſcheinlich Ihre Freundin Katharine hieher begleitet, wie ich meinen Freund Eu⸗ 4 gen, und dieſem Umſtande verdanke ich das Glück, Sie wieder zu ſehen.

4Gewiß, nur dieſem Umſtande, ſagte die alte Jungfer und blickte ſchüchtern und ängſtlich unter ihrem Hute hervor,nur ganz allein dieſem Umſtande, gewiß keinem andern, o Gott! gewiß keinem andern.

Unſere jungen Leute, fuhr der luſtige Rath lächelnd fort, ſind den Weg dort hinab gegangen, und wenn Sie unterdeſſen mit meiner Geſellſchaft fürlieb nehmen wollen, ſo würde ich mich außerordentlich glücklich ſchätzen. Hier iſt ein ſehr angenehmer Sitz; darf ich Sie vielleicht bitten, auf dieſer Bank Platz zu nehmen?.

Clementine leiſtete dieſer Aufforderung Folge, ſetzte ſich aber ſo weit wie möglich von Herrn Sidel entfernt; auch hielt ſie trotz des tiefen Schattens, der ringsum lag, den meergrünen Sonnen⸗ ſchirm vor die Augen und wartete mit hochklopfendem Herzen der ſchrecklichen Dinge, die hier kommen würden. Sie hatte die feſte Ueberzeugung, daß die gottloſe Katharina die Zuſammenkunft ver⸗ 33 anſtaltet; ſie ſaß da in dem fürchterlichen Bewußtſein, zu einem Rendezvous gekommen zu ſein: ſie hatte das ſchmerzliche Gefühl eines halbgefallenen Engels. Auf ihrem Geſichte ſpiegelten ſich allerlei ſchreckliche Gedanken, und ſo oft der luſtige Rath zufälliger Weiſe mit dem Fuße ſcharrte und leiſe huſtete, ſchauerte ſie zuſam⸗ 6 men, wie die Lotusblume; denn ſie dachte, jetzt ſei der große 1 Augenblick gekommen, wo er gräßliche Worte der Liebe an ſie ſprechen und in einem großen Satz zu ihren Füßen ſinken werde. Aber von allem dem geſchah nichts; Herr Sidel, nachdem er