Ein Rendez⸗vous.
Geräuſche der Stadt, man konnte ſich entfernt glauben von allen menſchlichen Wohnungen— allein in der Einſamkeit.
Jetzt näherten ſich die beiden Mädchen dem Platze, wo Eugen und der luſtige Rath hinter einem dichten Gebüſche verſteckt waren; doch hörte erſterer ſogleich den Klang der Schritte, die ſich näher⸗ ten, und ſprang den beiden Damen entgegen. Katharina zitterte mehr als je, und es war ihr faſt unmöglich, ſo viel Athem in ihre Bruſt zu ziehen, um den freundlichen Gruß des jungen Mannes zu erwidern. Dieſer war ſo ungeſtüm daher geſprungen, daß man wohl die Abſicht vorausſetzen konnte, er wolle die ſchöne Katharina ohne langes Bedenken an ſein Herz drücken; doch prallte er einiger⸗ maßen betreten zurück, als er das alte Geſicht der Jungfer Strebe⸗ ling erblickte. Das junge Mädchen ſtellte ihre Freundin und Ehrenwächterin vor; Clementine knixte außerordentlich tief und war taktvoll genug, ſich nach einigen wenigen Worten hinter das vorhin erwähnte Gebüſch zu verlieren und die beiden Liebenden ihrem Schickſale zu überlaſſen.
Wir können jedoch unmöglich verſchweigen, daß die alte Jung⸗ fer, als ſie ſich Angeſichts jener Bank befand und dort einen zweiten jungen Herrn erblickte, aufs Höchſte erſchrak und ſtehen blieb. Dieſes Erſchrecken verwandelte ſich aber in ein wahrhaftes Entſetzen, ſo daß ihre Knie bebten, als nun jener junge Mann den Kopf aufhob und ſie in ihm den erkannte, der ſie vor einigen Tagen an dem Fenſter ſo bedeutungsvoll und zart gegrüßt— der ihr geſtern jenes Liebe athmende Billet geſchrieben. Clementine überlegte einen Augenblick, ob es hier thunlich ſei, in eine Ohnmacht zu fallen, oder ob es genug ſei, wenn ſie im Ausdrucke des höchſten Schreckens ihr Sacktuch vor die Augen preſſe; ſie entſchied ſich für das Letztere und erwartete ſo gerüſtet den Angriff jenes jungen Mannes.
Der luſtige Rath war ebenfalls ein wenig überraſcht, als er hier ſo unverhofft eine Dame auftauchen ſah, deren Geſicht er ſich ſchwach erinnerte, ſchon irgendwo geſehen zu haben; doch ſchien er


