Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

So wanderten nun dieſe zwei Paare von verſchiedenen Seiten dem Spaziergange zu. Eugen und der luſtige Rath waren die Erſten auf dem Platze und ließen ſich auf die Bank nieder, welche zur Zuſammenkunft ausgemacht war.

Katharina ſchritt mit klopfendem Herzen durch die Promenade. Sie athmete ſchwer und tief; ſie ward bald roth und bald blaß; wenn ihr Jemand begegnete, ſo ſah ſie ängſtlich hinter ſich, indem ſie meinte, der Begegnende bleibe ſtehen und ſchaue ihr unfehlbar in der Abſicht nach, zu erfahren, wo ſie hingehe. Ja, wenn die Bäume und Sträuche rauſchten und ihre Zweige und Kronen ſchüt⸗ telten, ſo fuhr ſie zuſammen und glaubte allerlei unbekanntes Flüſtern neben und vor ſich zu hören.

Jungfer Clementine Strebeling dagegen ging ungleich gefaß⸗ ter, ungleich beruhigter an ihrer Seite. Sie kam ſich wie eine halbe Heilige, wie ein Schutzengel vor, und wandelte dahin in dem Mantel ihrer Unſchuld, der dick mit Tugend wattirt war.

Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

Jungfer Clementine Strebeling als Nebenperſon zu einem Rendezvous geht

In welchem und durch ſonderbare Fügung beinahe zur Hauptperſon wird.

Nach dem geſtrigen Regen war der heutige Nachmittag friſch und angenehm. Der heiße Dunſt des geſtrigen Tages war ver⸗ trieben; Blumen, Kräuter und Mooſe ſtreckten luſtig ihre Köpfchen empor; das Laub der Bäume duftete; Schmetterlinge mit ihren

bunten Flügeln ſchillerten auf dem dunkeln Grün und flatterten hin und wieder; ringsum war tiefe Stille, man hörte nichts vom