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Clementine Strebeling erhält einen Brief. 19
lich, in dieſem Theile der königlichen Anlagen geſchah für Aus⸗ ſchneidung des Gehölzes ſehr wenig. Das wucherte hier luſtig und waldähnlich durch einander; das Einzige, woran man die ſorgſame Hand des Gärtners erkannte, waren kleine, reinlich ge⸗ haltene Fußwege, die in Schlangenwindungen von den breiten Gängen der Promenade in den Stadtgraben führten, jetzt eine Strecke ſichtbar blieben, dort zwiſchen dem Dunkelgrün verſchwan⸗ den, hinten über einen kleinen Hügel wegliefen, wieder verſchwanden, wieder zum Vorſchein kamen, und die endlich zu einem heimlichen und traulichen Plätzchen führten, wie abſichtlich gemacht für ein Geſpräch zweier Liebenden. Weder von der Stadtmauer, noch von der Promenade ſah man in dieſen ſchattigen Grund; denn uralte Bäume, die da drunten emporwuchſen, breiteten ihre Aeſte ſchützend darüber hin und deckten alles mit einem Mantel grünen Laubes zu.
Bei allen Schönheiten, die der Platz darbot, können wir jedoch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß derſelbe, namentlich in der Dämmerung, einigermaßen verrufen war, und daß ſelbſt bei Tage eine junge Dame, die ſich hier hinein verlor, gerade nicht geſehen und gekannt ſein wollte. Diskrete Menſchen waren auch zart ge⸗ nug, das Geheimniß des Stadtgrabens zu achten. Es war das bei allen lebensluſtigen Leuten der Reſidenz eine Art ſtillſchweigen⸗ der Uebereinkunft, ſich hier nicht zu begegnen, und, wenn ſie ſich unglücklicher Weiſe begegneten, ſich nicht zu kennen.
Eugen, von dem wir uns in die Nothwendigkeit verſetzt ſehen, ſagen zu müſſen, daß er mit den Licht⸗ und Schattenſeiten des Stadtgrabens vertraut war, hatte denſelben zu jenem kleinen Rendezvons vorgeſchlagen, in der guten Abſicht, daß die ſchöne Katharina, welche ſehr bekannt war, nicht ſo leicht geſehen würde; ferner hatte er nach langer Ueberredung ſeinen Freund und luſti⸗ gen Nath vermocht, ihn zu begleiten, damit, wenn ihm wirklich
Jemand begegne, ſich das Mädchen doch nicht allein in ſeiner Ge⸗ ſellſchaft befinde.


