Clementine Strebeling erhält einen Brief. 17
und wenn die ſich nicht an mir vergriffe, ſo thäten das Ihre beiden Brüder.“
Darauf lachte Katharina laut und luſtig hinaus und ſagte
dann:„Darüber können Sie ganz ruhig ſein; ich gebe Ihnen die heiligſte Verſicherung, daß an ſo etwas kein Menſch denkt. Seien Sie überhaupt verſichert: wenn ich mich einmal entführen laſſen wollte, ſo brauchte ich keinen Menſchen mitzunehmen; dann ginge ich ganz allein von Hauſe fort.“
„Sie haben ſchreckliche Grundſätze,“ ſagte ernſt die alte Jungfer,„es wird mir ganz grauſelig dabei.“
„Es iſt ja nur Scherz,“ lachte das junge Mädchen.„Aber nicht wahr, Sie gehen mit mir?“
„Und wann ſoll das vor ſich gehen?“
„Morgen Nachmittag um zwei Uhr.“
„In Gottes Namen denn—— und in meiner Angelegenheit — da rathen Sie mir, ich ſoll ihm antworten?“
„Unbedingt ein paar Zeilen.“
Wir glauben annehmen zu können, daß die Jungfer Strebeling dieſen Rath im Laufe des Tages wirklich befolgte; denn ſie kaufte ſich eigenhändig in einem Laden roſenfarbiges Papier, ſie ließ ſich von der Frau Schoppelmann etwas warmes Waſſer geben, um ihre vertrocknete Dinte aufzufriſchen, und als am darauf folgenden Morgen der ältere der jungen Herren Schoppelmann an ſeinem Fenſter auf der Lauer war, während ſein Bruder, der Fuhrmann, die ledernen Gamaſchen einölte, ſtopfte ſich der Erſte auf einmal einen Zipfel des Kopfkiſſens in ſein großes Maul, um ein heftiges Lachen zu unterdrücken; dann winkte er ſeinem Bruder mit der Hand und ſagte:„Pſt, pſt, ſie kommt, ſie kommt!“
„Wer?“ fragte der Fuhrmann neugierig;„die große Ratte, die dir geſtern entgangen?“
„Nein, die Jungfer Strebeling,“ antwortete der Jäger; Hackländers Werke. XI. 2
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