14 Einundzwanzigſtes Kapitel.
„Ich will das gerade nicht behaupten,“ ſagte ſtockend Cle⸗ mentine,„aber der junge Menſch i*ſt ſo ſtürmiſch; ich fürchte mich vor ihm.“
„Ich dagegen,“ meinte Katharina,„würde einmal den Verſuch machen, ihn zu ſprechen.“ 3
„Ihn zu ſprechen? Nimmermehr!“ rief die alte Jungfer.
„Ja, was wollen Sie denn thun?“
„Ihm vielleicht ſchreiben!“ entgegnete Clementine verſchämt und hielt ihren Sonnenſchirm vor das Geſicht.
„Nun ja, anfänglich wohl,“ ſagte die erfahrene Katharina, „aber nachber müſſen Sie ihn doch ſehen und ſprechen.“
„Darüber ſprechen?“ rief Clementine und zeigte auf die Stelle, die der roſenfarbene Brief hatte.„Ihn? Nimmermehr!— In alle Ewigkeit nicht! Erinnern Sie ſich noch, liebe Katharine, was ich Ihnen neulich ſagte: ich könnte mich wohl vielleicht für Jemand intereſſiren, ihn auch—— lieben, aber ich würde ihn nicht ſehen und dürfte ihn nie darüber ſprechen.“ 4
„Ja, ich erinnere mich,“ ſagte nachſinnend das junge Mädchen.
„Aber daß er mir ſchreibe,“ fuhr Clementine fort,„dagegen hätte ich nichts einzuwenden; ich wollte mich gewiß gern für ihn intereſſiren, ich wollte ihm helfen, wenn er in der Noth wäre, ihn tröſten, wenn er traurig iſt.“
„Und wird er ſich damit begnügen?“ fragte Katharina;„es gibt Leute,“ ſetzte ſie mit leiſer Stimme hinzu,„die damit nicht zufrieden wären.“
„Das müßte er eben,“ ſagte beſtimmt die alte Jungfer;„ihn öfter ſehen, mit ihm von Liebe ſprechen, das wäre wahrhaftig mein Tod— nein! nein! das könnte ich unmöglich!“
„Und was wollen Sie nun auf dieſen Brief hin thun
„Darüber möchte ich Ihren Rath, liebe Katharine. Soll ich ihm drei Zeilen antworten?“
„Warum nicht?“
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