Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Einundzwanzigſtes Kapitel.

Mädchens niederließ, wobei ſie einen außerordentlich tiefen Seuf⸗ zer ausſtieß. Zu gleicher Zeit faltete ſie ſanft die Hände, blickte einige Mal gen Himmel, kurz, ſie geberdete ſich wie Jemand, der

auf alle Fälle gefragt ſein will: Mein Gott, was iſt Ihnen be⸗

gegnet?

Dieſe Frage that nun auch augenblicklich die ſchöne Katharina.

Statt aber mit der Sprache herauszugehen, affektirte Jungfer Strebeling eine ſehr komiſche Gleichgültigkeit, die ebenſo auffallend war, als ihr Mienenſpiel von früher. Sie ſenkte das Köpfchen auf die eine Seite, lächelte mit niedergeſchlagenen Augen, beſchrieb mit dem Sonnenſchirm von meergrüner Seide allerlei Figuren auf den Boden und lispelte mit ſehr verſchämter Stimme:Ach, Katharine, was ſollte mir begegnet ſein?

Es iſt Ihnen aber etwas begegnet, ſagte beſtimmt das junge Mädchen,Sie ſind ganz aufgeregt.

Ein tiefer Seufzer war die ganze Antwort. 3

Nun, ſo reden Sie doch, bat Katharina gutmüthig.Wir ſind ja unter uns Mädchen; iſt Ihnen vielleicht etwas geſchehen, wie neulich? haben Sie ſich über die Choriſtin geärgert?

Ach, die Choriſtin! ſeufzte Clementine und ſchauerte zuſam⸗ men; denn es war ihr, als habe ſie gerade ebenſo Entſetzliches begangen, wie jenes laſterhafte Frauenzimmer.

Nun, ſagte Katharina,wenn die Choriſtin Sie nicht wei⸗ ter geärgert hat, dann weiß ich wahrhaftig nicht, was Ihnen zugeſtoßen ſein könnte.

Nicht wahr? verſetzte Clementine mit ſchwacher Stimme; denn ſie hielt es ſelbſt für unmöglich, daß ein junger Mann mit ihr einen Blick gewechſelt, und für noch unmöglicher, daß ihr dieſer junge Mann heute Morgen ein zartes Briefchen geſandt, und doch war es in der That ſo. Ja, wir haben es dem Leſer einmal ver⸗ rathen und müſſen der Wahrheit die Ehre geben. Es würde auch wirklich etwas langweilig ſein, wenn man die vielen Worte wieder⸗