Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Clementine Strebeling erhält einen Brief.

erröthete und daß ſie ſich zu gleicher Zeit ſcheu und ängſtlich um⸗ ſah; denn die alte Frau Schoppelmann war in der Nähe. Doch da wir der Anſicht ſind, daß noch niemals einem Mädchen von ihrer Mutter eine derartige Beute abgejagt worden iſt, wenn ſie ſie

nämlich rechtzeitig in das Mieder hinab gleiten ließ, ſo können

wir auch in dieſem Falle die Verſicherung geben, daß das Brief⸗ chen vor der Hand im alleinigen Beſitze der Jungfer Katharina blieb, ja daß ſie es augenblicklich nach dem Empfang an dem eben angegebenen Orte in ſichere Verwahrung brachte, ohne es vor⸗ her geleſen zu haben, wonach es auch Jedermann ſehr begreiflich finden wird, daß dem guten Kinde das Pflaſter des Marktes plötz⸗ lich zu feucht vorkam, daß ſie ſich naſſe Füße geholt hatte, und daß ſie mit Erlaubniß der Mutter nach Hauſe ging.

Hier ſehen wir ſie nun, wie ſchon oben bemerkt, in ihrem Zimmer. Sie hatte das Brieſchen geleſen und wieder geleſen, und ſchien auf die Vermuthung zu gerathen, es handle ſich in demſel⸗ ben um ein kleines Rendezvous, das ſich Herr Eugen von ihr erbeten. Aber nicht allein brauche ſie zu kommen, o nein! er war zu zart, das zu verlangen; er ſchrieb ihr, ſie würde ja wohl eine verſchwiegene Freundin haben, mit welcher ſie, ohne Verdacht zu erregen, ausgehen könne. Aber Katharina wußte keine verſchwie⸗ gene Freundin; ſie dachte hin und her, und wenn ihr endlich Jungfer Clementine einfiel, ſo ſchüttelte ſie mit dem Kopfe und dachte, dieſe geſetzte Jungfrau mit ihren ſtrengen Grundſätzen würde ſich nimmermehr dazu hergeben, zu einem ſolchen Unter⸗ nehmen die Hand zu bieten.

Da wurde die Thüre des Zimmers langſam geöffnet, und die, an welche das Mädchen eben gedacht, Jungfer Clementine in eige⸗ ner Perſon, ſtreckte den Kopf zur Thüre herein um zu ſehen, ob Katharina da ſei.

Dieſe winkte ihr aufs Freundlichſte, nzutreten, was denn auſch die alte Jungfer that und ſich an der Seite des jungen