Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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284 Zwanzigſtes Kapitel.

und legten die todten Kameraden hinein, und bei manchen dieſer Gruben blieb ich ſtundenlang ſtehen und betrachtete genau die herbeigebrachten Leichen und dachte immer: jetzt wirſt du auch ihn erkennen. Umſonſt! ich fand ihn nicht.

Das Hauptquartier blieb während der Schlacht mehrere Tage in Novara, und dieſe Zeit benutzte ich zu den ſorgfältigſten Nach⸗ forſchungen. Mein Platz war ja überhaupt in den Spitälern, ſowie in den Kirchen, wo man eine Menge Verwundeter unter⸗ gebracht. Aber nebendem ließ ich auch kein Haus in der Umgegend ununterſucht, wo ſich noch ſchwer Kranke befanden, die man nicht transportiren konnte. Aber Alles umſonſt! Die einzige Spur, die ich von dem jungen Bildhauer erhielt, beſtand in der Ausſage zweier ſeiner Kameraden, die ihn, als er ſchwer verwundet wurde, aus dem Kampfe zurückgebracht hatten. Dieſe Beiden verſicherten mir, ſie haben ihn bis zum nächſten Verbandplatze getragen und dort einem Unterarzte übergeben, der aber die Verwundung achſel⸗ zuckend betrachtet. Er habe ihm freilich auf ihre dringenden Bitten hin einen Verband angelegt, doch dabei geſagt, das ſei alles unnütz, die Kugel ſei zu tief gegangen.

Es war mir, als habe ich einen langjährigen Freund verloren, und ihr könnt euch denken, mit welch ſchmerzlichem Gefühle ich einige Tage ſpäter über das Schlachtfeld ritt, als wir nach Mailand zurückkehrten. Es war ein unfreundlicher Morgen, in der ver⸗ gangenen Nacht war Schnee gefallen und bedeckte die Vertiefungen des Terrains. Um ſo ſchauerlicher aber ragten aus dem weißen Grunde die vielen, vielen Grabhügel hervor, an denen ich vorbei mußte. Hier und dort hatten die Kameraden auf dieſelben einen großen Stein hingewälzt oder ein einfaches hölzernes Kreuz dahin geſetzt. Ich mußte beim Vorbeireiten jedes einzelne betrachten und dachte: unter welchem magſt du ſchlafen, mein armer Freiwilliger? Wo mag deine nun erkaltete Künſtlerhand ruhen und dein