Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Heute roth, morgen todt. 283

ſchüttelte den Kopf, doch ließ ihn der Major augenblicklich nach dem nächſten Verbandplatze ſchaffen; was aus ihm geworden, wußte er natürlicher Weiſe nicht.

Und welcher Verbandplatz kann das ſein? rief ich aufſprin⸗ gend;ich muß dahin, ich muß den armen jungen Menſchen ſehen! Der Adjutant des Marſchalls, Major E., der ebenfalls am Kamin⸗ feuer ſaß, ſagte nach einem kleinen Nachdenken:das muß am Ende der Schlacht geweſen ſein. In der Nähe der Caſa Visconti; alſo iſt er nach einem der Verbandplätze gebracht worden, die ſich in den Häuſern unter den Mauern von Novara befinden. Da wird er morgen dorthin in's Spital kommen.

Aber was meinen Sie, kann ich ihn wohl heute Nacht noch aufſuchen?

Laſſen Sie das bleiben, ſagte Graf S., iſt keine Mög⸗ lichkeit, Doktor, einen einzelnen Verwundeten zu finden; alle Felder, Wege und Brücken in der Nähe der Stadt ſtecken ſo voll von Militär, daß es nicht möglich iſt, durchzukommen; auch könnten

Sie bei den Vorpoſten große Schwierigkeiten haben. Ja, das 4

vergaß ich auch noch zu erzählen, es gehört zu meinem Bericht: ich fand nun das zweite Armeecorps zunächſt der Stadt, und in letzterer ſchien der Teufel los zu ſein. Da brannten ein paar Häuſer und Gewehrſchüſſe knallten dazwiſchen. Sie müſſen ſich unter einander in den Haaren liegen; denn wir haben blos die Stadt cernirt, von den Unſrigen iſt noch Niemand hinein.

Was ſollte ich alſo thun? Alle riethen mir, den Morgen ab⸗ zuwarten und dann meine Nachforſchung anzuſtellen. Das that ich denn auch nach beſten Kräften, aber Alles vergeblich. Obgleich ich von Tagesanbruch bis zur ſinkenden Nacht des folgenden Tages auf den Beinen war, obgleich ich alle Verbandplätze beſuchte und ſelbſt mit ein paar Bekannten das Schlachtfeld auf's Eifrigſte unterſuchte ich fand keine Spur von meinem jungen Künſtler. Da waren die Soldaten beſchäftigt und machten große Gruben

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