Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Zwanzigſtes Kapitel.

einem Jägerpoſten augerufen wurde. Es war das Bataillon des Majors von C., der hier bivouakirte. An dem konnte ich nicht vor⸗ bei reiten. Ich lenkte mein Pferd gegen das Feuer. Da ſaß er auf ein paar Torniſtern, die Knie in die Höhe gezogen, den Kopf darauf geſtützt; er rauchte aus einer kurzen Pfeife und ſtarrte in die ſpielenden Flammen. Beim Hufſchlage meines Pferdes blickte er auf ich rief ihm meinen Namen zu, und als er mich erkannte, als ich ihm geſagt, ich komme über das Schlachtfeld herüber vom Hauptquartier her, ſchüttelte er ſich und ſagte: Nicht wahr, da ſieht's gräßlich aus? Schauerlich, entgegnete ich ihm, ihr müßt furchtbar gelitten haben. Viel, viel, entgegnete er mir kopf⸗ ſchüttelnd, lauter brave Leute. Apropos! Wenn Ihr ins Haupt⸗ quartier zurückkommt, ſo gebt dieſe Karte dem Freunde Wellen; ich habe ſie von jenem jungen Manne, er weiß ſchon, von wem ja, ja, ſetzte er düſter hinzu, man ſoll auf dem Schlachtfelde keinen Spaß treiben; mich hat die rothe Nelke, als ich ſie dieſen Morgen bei ihm ſah, ſchon genirt, und juſt auf der Stelle traf ihn eine feindliche Büchſenkugel. Ihr könnt euch denken, fuhr der Präſident nach einer kleinen Pauſe fort, wie ich athemlos und geſpannt der Erzählung des Huſarenoffiziers lauſchte; hundertmal wollt' ich ihn unterbrechen, um ihn zu fragen: Und wo iſt der, der dieſe Karte für mich gab? Aber wenn ich das kleine Blatt Papier betrachtete, mit dem ſtar⸗ renden Blute daran, ſo hatte ich nicht den Muth, dieſe Frage zu ſtellen ich wußte die Antwort im Voraus.

Alſo er iſt todt? fragte ich nach einem langen Stillſchweigen den Grafen S. Er antwortete mir darauf:Ganz genau konnte der Major von C. es gerade nicht ſagen; wie ich aber ſchon erzählt, hatte nicht weit von Caſa Visconti, vielleicht eine Stunde nachdem wir dort waren, bei der neuen Attaque ihn eine Büchſenkugel in die Bruſt getroffen; einer der Aerzte, der zufällig in der Nähe war,