Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Heute roth, morgen todt. 277

men lagen. Das Hauptquartier ging nach Charlasco zurück; doch brauchten wir mehrere Stunden, um Schritt für Schritt durch den Knäuel von Menſchen und Pferden, Geſchützen und Wagen zu dringen, mit denen die Landſtraße bedeckt war. Es war ſpät in der Nacht, als wir in unſer Quartier kamen. Keiner hatte nach dieſem aufregenden Tagewerke Luſt, ſogleich zu Bette zu gehen; auch fehlte noch mancher der Ordonnanzoffiziere, die da und dort⸗ hin auf das Schlachtfeld geſchickt worden waren und deren Rückkehr wir abwarten wollten. Im Kamine brannte ein großes Feuer, wir ſaßen im Kreiſe herum und erzählten unſere Erlebniſſe. Bald hörten wir jedoch Pferdegetrappel, Einer um den Andern kam zu⸗ rück, durchnäßt und müde, zuletzt Graf S., der am Schlimmſten ausſah denn er hatte keinen Paletot, und an dem dünnen At⸗ tila troff das Regenwaſſer herunter.

Du ſiehſt ſchön aus! riefen ihm die Kameraden zu; wie kann man auch in dem Wetter ohne Mantel ausreiten?

Ihr habt gut reden! ſagte luſtig der Huſarenoffizier;wie ihr mich da ſeht und ich da vor euch ſtehe, bin ich wahrhaftig noch ein paar Procent beſſer, als der heilige Martin. Der hat ſeinen Mantel mit jenem Armen nur getheilt, ich habe den meini⸗ gen ganz weggegeben. Habt Reſpekt ei, das iſt ja der Doktor! wandte er ſich an mich;Sie ſind an meiner außerordentlichen That die Haupturſache.

Mich überſchlich bei dieſen Worten eine traurige Ahnung.

Da habe ich etwas für Sie, fuhr Graf S. fort; dabei hob er ſeine Säbeltaſche in die Höhe und zog ein kleines Stück Papier heraus, das er mir darreichte.

Es war meine Karte, die ich vor einigen Tagen in Pavia dem jungen Freiwilligen gegeben. Sie war zerknittert, von Pulver ge⸗ ſchwärzt mit Blut befleckt.

Erzähle, riefen die anderen Offiziere, was haſt du getrie⸗ ben? Auch ich bat mit leiſer Stimme darum.