Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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276 Zwanzigſtes Kapitel.

Büchſenſchüſſen noch einige Minuten fortgedauert, waren die Pie⸗ monteſen verjagt und die ſtark befeſtigte Villa genommen.

Wir ritten durch das Thor hinein, über Leichen und Ster⸗ bende hinweg. Drüben ſammelte der tapfere Major von C. ſeine Leute aufs Neue, um die Braven zur weiteren Arbeit zu führen. Ich hatte nun Zeit, ihm meine Bewunderung auszudrücken und mich nach meinem jungen Freunde umzuſchauen. Da war er au der Seite des Majors friſch und lebendig, aber um den Kopf hatte er ein weißes Tuch gebunden und darüber keck den Jägerhut aufs Ohr geſetzt.Ein kleiner Säbelhieb! rief er mir zu;un⸗ bedeutend, nicht der Rede werth! Seine Nelke hatte er noch im Knopfloch ſtecken, und ich konnte mich nicht enthalten, ihm zu ſagen:Aber warum haben Sie ſich mit Blumen geſchmückt? worauf er mir antwortete:Ein Feſttag! ein Freudentag! und dann ſetzte er leiſer hinzu:Es war ihre Lieblingsblume. Narrenpoſſen! brummte der Major, indem er den Schweiß von der Stirne wiſchte;ich habe das heute Morgen ſchon geſagt, thun Sie mir das Ding weg! Wozu die rothe Blume? Wir ſehen ja Blut genug um uns.Wenn Sie befehlen, Herr Major,

Zantwortete er darauf,ſo ſtecke ich ſie in die Taſche. Und er that alſo.

Wer mich kennt, ſagte der Major leiſe zu mir,weiß, daß ich ebenſo getroſt mit meinem Bataillon gegen den Feind mar⸗ ſchire, als ich einen Spaziergang mache; aber ſo was kann ich nicht leiden: das Ding ſah aus, wie eine klaffende Wunde auf der Bruſt. Nun Gott befohlen! Vorwärts, Kinder! Adieu, Adieu!

Die Jäger ſtießen wieder zu ihrer Diviſion, wir kehrten nach dem Hauptquartier zurück. 3

Die Schlacht dauerte bis zum Abend. Die Nebel ſanken wie

einem feinen Regen Tauſende der Unglücklichen, die hier beiſam⸗

graue Schleier auf den Boden nieder und bedeckten darauf mit