Heute roth, morgen todt. 275
das Thor droben, das immer dichtere Pulverwolken und immer zahlreichere Kartätſchenkugeln ausſpie.
Wie gingen die braven, tapferen Jäger darauf los! Zuerſt ſchwenkten ſie etwas gegen die Mauer, dann wandten ſie ſich wie⸗ der dem Thore zu. Schon waren ſie nicht fünfzig Schritte mehr davon entfernt, da blitzte es abermals aus dieſem Höllenrachen hervor. Mehrere Kugeln hatten getroffen. Mancher, der eben in friſcher Jugendkraft vorwärts geeilt war, lag zerſchmettert am Bo⸗ den, todt oder ſchwer verwundet; Maucher blieb plötzlich wie angewurzelt ſtehen und ſtierte eine Sekunde vor ſich hin— auf den bleichen Zügen die grauenhafteſte Ueberraſchung; dann ward ſein eben noch ſo lebhafter Blick ſtarr und gläſern, er drehte ſich mit einer entſetzlichen Geſchwindigkeit herum und fiel todt auf das Geſicht. Aber der Anblick ſo mancher gefallenen braven Ka⸗ meraden entflammte den Muth der Jäger höher und höher. Aufgepaßt! ſchrieen die Vorderen.— Nieder, nieder! Ganze Reihen bückten ſich bei dieſem Zurufe der Kameraden tief auf den Boden. Droben auf der Villa krachten abermals die Schüſſe, pfiffen abermals die Kugeln, ſausten aber unſchädlich über die am Boden liegende Mannſchaft hinweg. Wie Ein Mann erhob ſich dieſe wieder und eilte in wilden Sprüngen vorwärts. So ſtürzt der Tiger auf ſeine Beute. Da hörte man keinen Schuß mehr us der Reihe der Jäger; die Büchſe mit dem doppelſchneidigen Hirſchfänger zum Stoßapparat umgewandelt, waren die Verwegen⸗ ſten von ihnen in drei, vier Sätzen vor dem Thore der Villa. Die piemonteſiſchen Artilleriſten hatten in dieſem Leben zum letzten Male gefeiert. Kobolden gleich verſchwanden die Jäger und die Wiener Freiwilligen zwiſchen den Gebänden. Der Pulverdampf verzog ſich langſam, die blanken Kanonenmündungen ſahen jetzt zum erſten Male ſtumm und ſtill auf das Todtenfeld hinaus, und nachdem drinnen in dem Hofraum der Kampf unter Flinten⸗ und


