Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Zwanzigſtes Kapitel.

Wir ritten auf einem Feldwege, der uns dorthin brachte; und dieſer Feldweg hatte das Angenehme, daß auf ihn alle Kartätſchen⸗ kugeln, welche über die Häupter der Stürmenden hinwegſausten, einſchlugen und ſie waren wahrhaftig nicht zu zählen.

Reiten wir gerade aus? rief ich dem jungen Offizier bei dieſem Anblick zu;oder machen wir einen kleinen Umweg?

Immer der Naſe nach! entgegnete er lachend und warf ſein Pferd in den Kugelregen hinein.

Es war auf unſerer Seite und zu den Füßen unſerer Pferde ein Anblick, wie wenn im Sommer auf einer ſtaubigen Chauſſee ſchwere Regentropfen mit großer Gewalt aufſchlagen, ſo ziſchte und klatſchte es hier von allen Seiten, und das war eine Strecke von vielleicht hundert Schritten, die wir ſolcher Geſtalt zu paſſi⸗

ren hatten.

Unter einem Baume, etwas rückwärts von der Schlachtlinie, fanden wir den Offizier, zu deſſen Hülfe ich herbeigeeilt. Es war leider zu ſpät! Er hatte zwei Kartätſchenkugeln in der Bruſt, und wir kamen früh genug, ihm die Augen zuzudrücken. Aber ich hätte ihn, auch wenn ich früher gekommen wäre, nicht retten kön⸗ nen jede der Verwundungen wax tödtlich.

Wir ſchwangen uns wieder auf unſere Pferde, um zum Haupt⸗ quartiere zurück zu eilen in dem Augenblicke, als ein friſches Jä⸗ gerbataillon gegen das Thor der Villa geführt wurde. Es war Major v. C. Ich zitterte ordentlich bei dem Gedanken an mei⸗ nen jungen Künſtler, ob er wohl noch unter den Lebenden ſei, oder ob er nicht am Ende hier vor meinen Augen todtgeſchoſſen werde. Unter lautem Hurrah kamen die Jäger heran. Gott ſei Dank! dort ſah ich ihn auf dem Flügel, das friſche Geſicht von Pulver⸗ dampf geſchwärzt. Er ging mit den Anderen freudig darauf los, wie zu einer Luſtpartie: vorn auf der Bruſt zwiſchen dem ſchwarzen Lederzeug hatte er eine blaurothe Nelke ſtecken. Auch er erkannte mich; denn er winkte mit der Hand und zeigte freudig lachend auf