Die Gefahren weiblicher Modelle. 271
Noch in der Nacht verließ ich das Hauptquartier und ging nach Mortara, um da hülfreiche Hand zu leiſten. Es gab genug zu thun, und ſämmtliche Aerzte kamen aus den proviſoriſch einge⸗ richteten Lazarethen dieſen und den folgenden Tag nicht hinaus.
Zwanzigſtes Kapitel. Vor, während und nach der Schlacht.— Heute roth, morgen todt.
36 glaube nicht, fuhr der Präſident der Leimſudia, nachdem er einen tüchtigen Schluck aus ſeinem Glaſe gethan, nach einer Panſe fort, daß es euch darum zu thun ſein wird, von mir die Schilderung eines Verbandplatzes während und nach der Schlacht zu erhalten. Man ſieht da an menſchlichem Jammer und Elend, was die kühnſte Phantaſie nicht auszudenken im Stande iſt, fürch⸗ terliche Leiden des Körpers und der Seele. Ich muß euch geſtehen, ich betrachtete ängſtlich jeden neuen Verwundeten, der mir gebracht wurde: denn ich fürchtete immer, meinen jungen Freund vor mir 4 zu ſehen mit zerſchoſſenen Gliedern.
Aus dieſer Beſorgniß riß mich endlich gegen Mitternacht Ma⸗ jor v. C., der in das Spital kam— ſein Baiaillon lag dicht bei Mortara— um nach ſeinen verwundeten Leuten zu ſehen. Die braven Jäger hatten ſehr gelitten. Natürlich war meine erſte 9 Frage nach jenem jungen Manne.
„Er iſt wohl und geſund,“ gab mir der Major zur Antwort, „und es freut mich außerordentlich. Geben Sie Acht, der bringts bald zum Offizier,“ ſetzte er hinzu.„Freilich ein tollkühner Burſche, aber dabei mit einem ungeheuer kalten Blute, was man ſelten bei⸗ ſammen findet, und ſchießt zugleich wie ein Engel. Ich werde


