272 Zwanzigſtes Kapitel.
mich wahrhaftig genöthigt ſehen, ihn zur ſilbernen Medaille vor⸗ zuſchlagen, wenn er ſich nicht in den nächſten Tagen vielleicht gar die goldene heraus haut.“——
Vor Mortara wich der Feind, wie bekannt zurück, und der König von Sardinien ſammelte bei Novara ſeine ganze Streit⸗ macht, um die öſterreichiſche Armee in ihrem Siegeslauf aufzuhal⸗ ten. Es war eine blutige Affaire, die bei Novara, und als wir gegen Mittag das Schlachtfeld betraten, ſah man die verſchiedenen Gefechtaufſtellungen, wie ſie heute Morgen geweſen, bezeichnet durch Maſſen von Todten und Verwundeten, die überall herum lagen. — Hier gab's zu thun. Ich blieb auf dem erſten Verbandplatze, den wir erreicht, und bat einen der jungen Ordonnanzoffiziere, mich rufen zu laſſen, ſobald man meiner, was ich übrigens nicht hoffe, beim Hauptquartier bedürfe. Nachdem ich ein paar Stunden auf dem Verbandplatze mein Möglichſtes gethan und in doppelter Hinſicht froh war, daß kein Bote an mich gekommen, ſah ich einen Stabsdragoner eilfertig die Chauſſee hinab eilen, der überall um⸗ her ſchaute und richtig auch mich zu ſuchen kam. Einem ſeiner Kameraden, im Gefolge des Hauptquartiers, war von einer Ge⸗ ſchützkugel der Fuß weggeriſſen worden, und man beorderte mich, dorthin zu kommen. Ich warf mich aufs Pferd, und nach einer kleinen halben Stunde langten wir im Hauptquartier an.
Dieſes ſtand ziemlich tief im Feuer. Schon ehe wir den Feldmarſchall erreichten, ſchlugen die ſchweren ſechspfündigen Ku⸗ geln rechts und links auf die Chauſſee und in die Weingärten. Mein Geſchäft war bald beendigt; ich ließ den Verwundeten zu⸗ rückbringen und blieb nun hier, um für alle Fälle bei der Hand zu ſein.
Es war ein grauenvoller Tag. Des Himmels Angeſicht war verhüllt in graue Schleier ob all der Gräuel, die unter ihm ge⸗ ſchahen; Nebelmaſſen ſanken herab und wurden zerriſſen wieder


