Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Die Gefahren weiblicher Modelle. 269

gen? Mein junger Künſtler war ſichtlich aufgeregt und ging mit heftigen Schritten auf und nieder. In dem Nebenzimmer wurde es lebendig, Stimmen riefen, Säbel klirrten auf den Gängen und Treppen, im Hofe ſchmetterte luſtig eine Trompete.

Ich öffnete das Fenſter und ſah beim ſchwachen Scheine der Morgendämmerung, wie ſich ein Stabsdragoner zu Fuß eilfertig dem Gaſthofe näherte. Es war der Reiter, den ich bei meinen Pferden zurückgelaſſen. Ich rief ihm zu, daß ich auf Nummer Vier ſei, und darauf ſprang er die Treppe herauf und meldete mir, das Hauptquartier breche in einer Viertelſtunde äuf.

Mein junger Bildhauer hatte ſein Skizzenbuch wieder in das Felleiſen gepackt, wir riefen nach einer Taſſe Kaffee, die uns ein ſchlaftrunkener Kellner brachte; dann machten wir mit kaltem, friſchem Waſſer und einer Haarbürſte unſere Toilette, und nahmen Abſchied von einander, wie langjährige gute Freunde. Ehe ich aber den jungen Freiwilligen verließ, ſchrieb ich ihm auf eine Karte ein paar freundliche Worte an den Major v. C., einen lie⸗ benswürdigen Offizier, den ich kennen gelernt und bei deſſen Ba⸗ taillon mein junger Landsmann eingetheilt war.

Ich habe Sie in der That lieb gewonnen, ſagte er mir und drückte mir zum Abſchiede herzlich die Hand;ich hoffe, wir ſehen uns wieder. Vielleicht auf dem Schlachtfelde vielleicht auch im Spital ſetzte er lächelnd hinzu.

Gott wolle das verhüten! verſetzte ich ihm ernſt;doch für den Fall, daß Ihnen etwas begegnen ſollte, nehmen Sie meine KarteDoktor Wellen beim Hauptquartier. Wenn es möglich, ſo verlangen Sie nach mir oder ſchicken mir dieſe Karte zurück; ich werde Sie alsdann nach beſten Kräften aufſuchen und will Sie gewiß finden. Adieu, mein lieber Freund Muth und Ver⸗ trauen!.

Er nahm ſein Felleiſen unter den Arm, warf den Mantel über