Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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268 Neunzehntes Kapitel.

ſo traten immer und ewig ihre Züge zu Tage. Ich verließ Mün⸗

chen wieder, ich wollte große Reiſen unternehmen, weite unbekannte Länder ſehen ich hoffte, ſie alsdann zu vergeſſen. Da ertönte aus den lombardiſchen Ebenen der erſte Trompetenſtoß, da entfal⸗ tete Radetzky, der große Feldherr, ſeine ſiegreiche Fahne, da ver⸗ nahm ich, daß Graf D. in öſterreichiſche Dienſte getreten war, um den glorreichen Feldzug des Jahres 1848 mitzumachen. Es war mir wie ein Wink des Schickſals, in ſeine Nähe zu eilen. Die Jugend hat ſonderbare Träume ich dachte an große Thaten, die ich verrichten wollte; ich ſah mich auf blutgedüngtem Schlachtfelde, vielleicht in ſeiner, des Grafen Nähe. Er lag ſchwer verwundet in meinen Armen ſo phantaſirte ich es war in ſtiller Nacht, er vertraute vor ſeinem Tode dem Deutſchen, dem Landsmanne, ein Geheimniß an, das ſeine Bruſt bedrückte, er erzählte mir von jenem Schloſſe und von einer Tochter, die ihm dort lebe ſolche Bilder beſchäftigten meinen Geiſt und zerſtörten meine Geſundheit.

Auf dem Wege nach Verona, wo ſich damals die öſterreichi⸗ ſche Armee befand, wurde ich krank und lag Monate lang an einem heftigen Fieber darnieder. Als ich wieder hergeſtellt war, ſchien der ganze Feldzug beendigt. Radetzky war ſiegreich in Mailand eingezogen, der Waffenſtillſtand mit Karl Albert geſchloſſen. Da ward dieſer unverhofft gekündigt, der Marſchall zog auf's Neue ſein Schwert für die gerechte Sache; ich eilte hieher und meldete mich als Freiwilliger. Ich wurde angenommen, wie Sie bereits wiſſen, und das iſt meine ganze Geſchichte.

So erzählte mir der junge Bildhauer, und ſeine Geſchichte war mir ſo intereſſant, daß ich nicht bemerkte, wie ſchnell die Zeit ver⸗ flogen. Unſer Punſch war zu Ende, mehrere Cigarren ausgeraucht, und die Flamme des dreiarmigen Leuchters brannte dunkelroth, und zu dem Fenſter herein drang der ſchwache Schein des an⸗ brechenden Morgens. Da ſtanden unſere unberührten Lagerſtätten wer wollte ſich jetzt noch für eine kleine Stunde zur Ruhe le⸗