Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Die Gefahren weiblicher Modelle. 267

Ah! rief ich aus,und ich kann Sie verſichern, dieſe Nach⸗ richt traf mich wie ein Blitzſtrahl. Ich verſuchte, aus dem Schul⸗ meiſter mehr herauszubringen umſonſt. Entweder wußte er in der That nichts, oder er wollte nichts ſagen.

Darauf hatte ich eine zweite Unterredung mit dem alten Verwalter. Sie hatte denſelben Erfolg wie die erſte, und er ſagte mir am Ende achſelzuckend: Da Sie nicht gegangen ſind, wie ich Ihnen gerathen, ſo habe ich das Mädchen entfernen müſſen. Lange ſtand ich dann in der Kapelle vor meinem Werk und ſchaute unter Thränen das marmorne, blaſſe, geiſterhafte und doch ſo liebe, liebe Geſicht an. O, meine Kunſt hatte mir trefflich ge⸗ dient: da war jeder ihrer reizenden Züge mit einer Treue wieder⸗ gegeben, mit einer Wahrheit, die mich jetzt ſchaudern machte. Mehr⸗ mals ſtand ich im Begriffe, mit Hammer und Meißel mein eigenes Werk zu verderben; aber eine unſichtbare Gewalt zog meinen Arm zurück, ſo oft mich dieſer unſelige Gedanke antrieb, die Hand zu erheben. Ich floh die Kapelle, packte meine Sachen zuſammen, ich verließ das Thal und die Gegend; ich ging nach München zurück und legte mich auf genaue Kundſchaft über die Verhältniſſe jener gräflichen Familie, für die ich gearbeitet. Ich hoffte hier einen Faden zu erhalten, der mich auf ihre Spur leiten könnte. Wenn ſie, wie der Schulmeiſter mir angedeutet, nicht die Tochter des Ver⸗ walters war, wer konnte ſie ſein? Ich erfuhr endlich, daß der jetzige Beſitzer jener Herrſchaft, Graf D., keine Kinder habe, we⸗ nigſtens keine legitimen; doch erzählte man ſich von einem geſpann⸗ ten Verhältniſſe, in welchem er lange Zeit mit ſeiner Gemahlin gelebt. War Roſalie vielleicht ſeine natürliche Tochter? ein ſchrecklicher Gedanke, wenn ich ihre Züge nachgebildet am Grabe derjenigen, welche die Gemahlin ihres Vaters war, ohne ihre Mut⸗ ter geweſen zu ſein!

Aber meine Ruhe war dahin, meine Kunſt widerte mich an. So oft ich nach jener Zeit den weichen Thon zu formen begann,