Neunzehntes Kapitel.
gab ſein heiligſtes Wort, daß er in der Sache nichts für mich thun könne, und wenn ihm ſelbſt, dem Vater, der mich lieb gewonnen, das Herz darüber breche. Er rieth mir, augenblicklich abzureiſen, und ſetzte hinzu:„wenn Sie nicht gehen, ſo ſehe ich mich genöthigt, das Mädchen zu entfernen.“
„Dieſem ſeinem Worte glanbte ich nicht und irrte wie ein Wahnſinniger mehrere Tage durch die Wälder, trat unzählige Mal in die Kapelle vor mein Werk, umkreiste das Schloß, um ſie zu ſehen— umſonſt!— ich konnte keine Spur von ihr entdecken. Ich dachte mir, ihr Vater bewache das Mädchen, weil ich mich in der Nähe des Schloſſes umher treibe; ich blieb deßhalb drunten im Wirthshauſe in meiner Stube, wo ich an ihre Fenſter ſehen
konnte. Alles vergebens! Dort droben blieben die Vorhänge feſt zugezogen— ich konnte nichts von ihr entdecken.
„Da kam eines Morgens der Schulmeiſter zu mir— er hatte von der Geſchichte gehört— und während ich mit ihm darüber ſprach, ſchnupfte die gute Seele aus einer Horndoſe eine Priſe um
die andere, und dabei zwinkerte er mit den Augen, als wenn ihm ſein Tabak zu ſtark wäre.“
„Wiſſen Sie was, mein lieber Herr Profeſſor?“ ſagte er nach einer Pauſe;„reiſen Sie ab— Roſalie iſt fort.“
„Fort? Und wohin?“
„Das weiß Niemand, als der Alte droben.“
„Ihr Vater?“ 4
„Ja,“ ſagte ſtockend der Schulmeiſter,„ja— ihr Vater— doch man weiß das nicht ſo ganz genau.“
„Was?“ rief ich und ein Strahl von Hoffnung belebte mich; „man weiß nicht ganz genau, ob Roſalie abgereist iſt?“
weiß nicht genau, ob der Alte droben—— ihr Vater iſt.“
bei Gott dem Allmächtigen! nicht anders handeln. Da wurde der alte Mann weich und die Thränen traten ihm in die Augen. Er
„O nein,“ entgegnete er,„daran iſt kein Zweifel; aber man


