Die Gefahren weiblicher Modelle. 265
Mädchengeſtalten, die mir bisher begegnet, hatte ich nur ſo mit den Augen des Künſtlers angeſehen.— Hier war das zum erſten Male anders; kurz, ich liebte, ich liebte grenzenlos mit der Gluth der Jugend, mit dem Feuer der erſten Liebe.
„Wie hatte ich anfänglich den Tag herbeigewünſcht, an dem ich dieſe einſame Gegend wieder verlaſſen könnte! Jetzt aber hätte man mir alle Schätze der Welt bieten können, ich hätte freiwillig dieſes für mich ſo reizende Thal nicht mehr verlaſſen. Ich hoffte auf ihren Beſitz, ich wollte hier ein ſtilles Künſtlerleben führen, fern vom Geräuſche der großen Städte; ja, wenn es mir an Ar⸗ beit in meiner Kunſt gemangelt hätte, ſo würde ich dieſe bei Seite geworfen haben, ich hätte mich mit dem beſcheidenſten Daſein be⸗ gnügt. Ich wäre dem Schulmeiſter als Zeichnenlehrer an die Hand gegangen, ja ich wäre Steinhauer geworden und hätte Grabſteine 1 4 und Tröge gemeißelt.— Ich war wie raſend vor Liebe.“
„Es ſcheint mir wirklich ſo,“ entgegnete ich ihm lächelnd. „Auch Roſalie liebte mich, ich wußte das ganz wohl, doch habe ich nie ein Geſtändniß von ihr erhalten; ich wußte es— das war mir genug. Ich wollte dieſes ſelige Geheimniß, das meine ganze Bruſt ausfüllte, nicht in Worten vor meinen Ohren 6 hören, nicht eher, als bis mir ihr Beſitz geſichert geweſen wäre. „Da ſprach ich mit dem Vater— aber meine Hoffnungen wurden mit Einem Male vernichtet. Zuerſt lächelte er über mei⸗ nen Antrag, wie über eine leichte Grille, ein jugendliches Auf⸗ wallen, das bald vorüber ſein werde. Als ich aber dringender wurde, als ich ihm gute und gültige Beweiſe über meine Verhält⸗ niſſe vorlegte, und dringend die Hand ſeiner Tochter verlangte, da ſchüttelte er ſeinen Kopf und ſagte feſt und ruhig:„Unmöglich! daraus kann in alle Ewigkeit nichts werden!? „Längere Zeit wollte er mir, dem Verzweifelnden, nicht ein⸗ mal einen Grund angeben; endlich ſagte er, über das Schickſal 3 Roſaliens ſei in früheſter Jugend entſchieden worden, er könne,
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