Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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264 Neunzehntes Kapitel.

Dieſer aber zuckte die Achſeln und meinte, es ſei nicht ſo arg. n8 Da gerieth jedoch der Schulmeiſter in eine wahre Ekſtaſe und ver⸗

ſicherte hoch und theuer, er wolle anfangen das A B C nochmals zu lernen, wenn ich nicht ſpäter geſtehen müſſe, daß Roſalie das lieblichſte und ſchönſte Geſicht habe, das mir in meinem ganzen Leben vorgekommen.

Hier that der junge Bildhauer einen tiefen Zug aus ſeinem Punſchglaſe, zündete ſeine Cigarre, die ihm ausgegangen war, wie⸗ der an und fuhr nach einer Pauſe fort:

Leider hatte der Schulmeiſter Recht. O, hätte ich ihm nie geglaubt und hätte den unfertigen Kopf nach einem der vielen Bilder fertig gemacht, die mir in der Nacht nach jenem Geſpräche wie war⸗ nend im Traume erſchienen! Er wäre nicht ſo ſchön geworden, wie

er jetzt iſt, aber ich hätte meine Ruhe behalten und wäre

jetzt nicht hier in Italien.

Ich ſah alſo gleich den andern Morgen das Mädchen, ich war entzückt von dieſer lieblichen Erſcheinung, ich bat den Vater auf's Dringendſte um die Erlaubniß, ſie zum Modell meiner Liebe zu nehmen,. Er gab es nicht gern zu, und erſt den mit den meinen ver⸗ Reinigten Bitten des Schulmeiſters und Pfarrers gelang es, ſeine Einwilligung zu erhalten.

Roſalie war ſechszehn Jahre alt. Anfangs überlief ſie ein frommer Schander bei dem Gedanken, daß ihr Geſicht ſo allein in der Kapelle zwiſchen anderen weißen Geſtalten ſtehen ſolle, und ſie beruhigte ſich erſt, als ich ihr verſprach, auch meineHoffnung ſo weit abzuändern, daß ſie einer ihrer Freundinnen ähnlich ſehe einem ebenfalls recht hübſchen Mädchen.

Ich modellirte nach ihrem lieblichen Geſichte und war glück⸗ ſelig dabei. Ich führte es in Marmor aus und war entzückt über mein eigenes Werk. Was ſoll ich Ihnen aber nun weiter ſagen? Das Uebrige können Sie ſich ganz gut denken. Ich hatte bis dahin nur meiner Kunſt gelebt, all' die ſchönen Weiber⸗ und