Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Die Gefahren weiblicher Modelle. 263

dem die Aufſtellung droben beendigt war, den größten Theil des

Tages auf. Abends war ich immer in der kleinen Wirthsſtube, wo ſich die Honoratioren des Dorfes einfanden. Ich muß geſtehen dieſe guten Leute waren außerordentlich dankbar für die Zierde, die der Schloßkapelle durch mein Werk zu Theil geworden, und ſie über⸗ häuften mich mit Aufmerkſamkeiten. Von der Malerei hatten ſie einen ziemlichen Begriff, aber meine Kunſt war ihnen vollkommen fremd, weßhalb es ihnen auch ein großes Vergnügen gewährte, als ich ihnen etwas vom Weſen derſelben auseinander ſetzte und ihnen den richtigen Begriff von einem Thonmodell und über die Aus⸗ führung in Stein beibrachte. Hier fand ſich auch jener Verwalter des Schloſſes häufig ein, ſowie der Schultheiß des Dorfes und der Lehrer; und nicht ſelten erwies uns auch der Pfarrer die Ehre, in

unſerer Geſellſchaft ſein Gläschen zu trinken.

Eines Abends kam wieder, wie gewöhnlich, die Rede auf mein Werk, und der Pfarrer, der an dem Nachmittage mit mir oben war, bedauerte, daß der Kopf der einen der Figuren immernoch nicht vollendet ſei. Ich entgegnete ihm, daran ſei Niemand Schuld, als die hieſige Bevölkerung; ich hätte gehofft, unter den Mädchen ein paſſendes Modell zu finden, müſſe aber leider geſtehen, daß ich bis jetzt nichts angetroffen, was mir brauchbar erſchienen.

Ah, das iſt eine Schande für uns! ſagte lachend der Schul⸗ meiſter;aber vielleicht verlangen der Herr Profeſſor auch zu viel ſo nannten ſie mich nämlich.Was meinen Sie denn zu Verwalters Roſalie?

Poſſen! ſagte der alte Mann vom Schloſſe.

Ich mußte geſtehen, daß ich bis jetzt keine Ahnung davon hatte, daß es droben eine Tochter des Verwalters gäbe.

Das wäre ein ſchönes Modell für einen Kopf der Liebe, meinte der Pfarrer.

Ich wurde neugierig und beſtürmte den alten Verwalter mit Bitten, mir doch wenigſtens den Anblick ſeines Kindes zu gönnen.