Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2⁵8 Achtzehntes Kapitel.

Ei, ei! entgegnete ich lächelnd;haben Sie denn ſo ſchreck⸗ liche Erinnerungen, die Sie nicht anders als durch ein ſolch über⸗ kräftiges Mittel aus Ihrem Gedächtniſſe verbannen können, und ſind dieſe Erinnerungen wirklich der Art, daß Sie Geſundheit und Leben auf das Spiel ſetzen, um ſie und ſich ſelbſt zu vergeſſen?

Ja und nein, antwortete er mir;es iſt eine jener Ge⸗ ſchichten, die nur für den, welchen ſie betreffen, die größte Wich⸗ tigkeit haben, die aber Anderen unbedeutend, vielleicht fade erſcheinen können.

Alſo eine Liebesgeſchichte! ſagte ich lächelnd.

Man könnte es ſo nennen.

Und wegen einer ſolchen werden Sie Ihrer göttlichen Kunſt untreu und ſtürzen ſich in dieſes Treiben hier Sie, den die geringſte körperliche Verletzung, die Sie erhalten, vielleicht für immer untauglich machen wird, je wieder den Modellirſtab und den Hammer in die Hand zu nehmen?

So arg iſt es auch wohl nicht, entgegnete der junge Mann. Zum Krüppel geſchoſſen zu werden, wäre mir freilich entſetzlich; aber eine Kugel, die einen ſo mitten aus der Sturmattaque abruft

und einen dahin wirft in Gras und Blumen, iſt nicht zu verachten; man ſieht nur noch den letzten betrübten Blick des Kameraden, dann umflort ſich das Auge, und nur das Ohr iſt noch der Ver⸗ mittler zwiſchen dem Sterbenden und der äußeren Welt, und in dieſes Ohr, das aufmerkſam lauſchende, dringt ein plötzliches Gurrah! ein Siegesjubel! die feindliche Batterie iſt genommen.

Das iſt alles ſehr ſchön und gut, antwortete ich dem jungen Freiwilligen;für Jemanden, der des Lebens müde iſt, wäre ein ſolcher Tod freilich der angenehmſte; aber erſtens kann ich mir in der That nicht denken, daß Sie ſich in dem Falle befinden, und zweitens vergeſſen Sie nicht, daß ſich ein jugendliches Leben, wie das Ihrige, ſchwer von einem ſo kräftigen Körper losreißt. Da⸗ liegen Sie in Schmerzen und Todesangſt keine Hülfe weit und