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Erzählung des Präſidenten.*257
glimmten, die Geſchützröhre glänzten in falbem Scheine, die Pferde gingen in langſamem Schritte, und die ganze gewaltige Maſſe dröhnte auf dem Pflaſter dahin, daß die Fenſter erzitterten.
Das weiße Kreuz lag in einer engen Nebenſtraße und erwies ſich als ein ſehr beſcheidenes Gaſthaus. Doch führte man uns in ein großes Zimmer, und da wir zu zwei kamen, ſo ſah der aufwartende Kellner die Nothwendigkeit ein, neben dem vorhande⸗ nen Bette noch eine Lagerſtatt einzurichten, was er auch aufs Bereitwilligſte that. Mein junger Freiwilliger legte ſeinen Mantel ab, ſowie ein kleines Felleiſen, das er unter demſelben getragen.
„Sie werden müde ſein,“ ſagte ich,„und nach Ruhe ver⸗ langen?“
„Durchaus nicht,“ entgegnete er mir;„ich komme heute von Mailand und habe dieſen Weg mit einem Einſpänner zurückgelegt, auch hielt ich mich unterwegs ein paar Stunden in der Certoſa auf. Ein prächtiges Bauwerk, voll der herrlichſten Kunſtſchätze!“
„Das will ich meinen!“ erwiderte ich einigermaßen erſtaunt. „Sie ſind ein Verehrer der Kunſt?“ 3
„Ein Verehrer und Ausüber derſelben,“ antwortete er mir; „ich bin ſelbſt Künſtler— hoffe es wenigſtens zu ſein,“ ſeis er lächelnd hinzn—„ich bin Bildhauer.“
„Ah!“ ſagte ich überraſcht;„und Sie verlaſſen Ihre ſchöne Kunſt, um dem wilden Kriegsleben nachzugehen?— Das finde ich einigermaßen unbegreiflich.“
Er zuckte die Achſeln und ſprach:„Ich verſtehe Sie vollkom⸗ men; aber es gibt Verhältniſſe im Leben, wo es einem die größte Wohlthat iſt, ſich in einen wilden Strudel zu ſtürzen, wenn man auch vielleicht darin untergeht; ein wildes, brauſendes Leben auf⸗ zuſuchen, von dem man wenigſtens das hat— ſo hoffe und glaube ich— daß es die Sinne betäubt und das Andenken an frühere Tage vergeſſen macht.“
Hackländers Werke. X. 173


