Achtzehntes Kapitel. 5
ſchließen zu können. So kamen wir nach-St. Angelo, den zwei⸗ ten Tag darauf nach Pavia, wo der große Feldherr mit Einem Mal ſeine ganze Armee in das feindliche Land hinüber warf, zur großen aber nicht ſehr angenehmen Ueberraſchung der Piemonteſen, die in dem feſten Glauben ſtanden, es werde hier am Teſſin nur ein kleines Corps zur Beobachtung aufgeſtellt.
Der Uebergang über dieſen Fluß, der Mittags um zwölf Uhr begann und bis tief in die Nacht hinein dauerte, war das großar⸗ tigſte von militäriſchen Schauſpielen, denen ich in meinem Leben beigewohnt, und ich werde auch wohl nie wieder etwas Aehnliches zu ſehen bekommen. Dieſe Maſſe Infanterie und Kavallerie, die luſtigen Jägerbataillone mit ihren grünen Büſchen, die ſchwere und leichte Artillerie und Raketenbatterieen, das alles dröhnte und raſſelte in den engen Straßen Pavia's, und eine unzählige Men⸗ ſchenmenge ſchaute dem Einzuge der öſterreichiſchen Armee zu. Der Feldmarſchall ſtand an der Ecke der Hauptſtraße Stundenlang auf dem kleinen Balkon des erſten Gaſthofes der Stadt, der ſich hier befindet, und ließ die Truppen an ſich vorüber ziehen.— Aber ihr habt das alles in den Zeitungen geleſen, von dem Enthuſiasmus der Soldaten, als ſie den geliebten Feldherrn da droben ſtehen ſahen, von ihrem unendlichen Jubelgeſchrei in ſo und ſo vielen Sprachen, das die Lüfte wahrhaft zerriß.— Es war ein unver⸗ geßlicher Anblick.
Das Hauptquartier befand ſich in dem Gaſthauſe, von dem
ich eben ſprach; die Pferde deſſelben ſtauden in den Ställen und im Hofe, und mehrere Offtziere, die gerade nicht beſchäftigt waren, hielten ſich am liebſten am großen Thore auf, um da vorüberzie⸗ henden Bekannten ein freundliches Wort zu ſchenken.— Aber der ganze Tag verging. Das Vorbeiziehen dauerte immer fort. In dicht geſchloſſenen Kolonnen folgten ſich Kompagnieen, Bataillone, Regimenter. Es wurde Abend, und fort und fort klirrte und raſ⸗ ſelte es am Hauſe vorbei.


