Die Geſellſchaft Leimſudia. 247
Regiment mit ſehr ſtrenger Hand, und nachdem ſich die Neuange⸗ kommenen zu einigem Bier und Wein verholfen, verſicherte er mit bedenklicher Miene, daß die unterhaltung in der That nicht die Koſten der Beleuchtung abwerfe, weßhalb er ſich veranlaßt ſehe, zum Scheine der harmloſen Leimwaſſer⸗Lampe zurückzukehren. Er⸗ forderte hiemit die Mitglieder der Geſellſchaft dringend auf, durch irgend etwas das Geſpräch zu beleben.
„Mich hat der feierliche Akt von eben ſichtlich angegriffen,“
ſagte ein ältlicher Herr mit einer röthlichen Naſe, indem er die Brillengläſer mit ſeinem Sacktuche abputzte;„oder wirkt die Hitze von heute Abend lähmend auf unſern Geiſt?“ 3„Der Herr Präſident,“ bemerkte ein anderer Leimſieder— er war im gewöhnlichen Leben Regierungsrath—„ſcheint mir heute Abend in außerordentlich ſtrenger Laune zu ſein; ein rechter Vorſtand ſollte zu Ehren ſeiner Geſellſchaft beſtändig eintreten und immer etwas in petto haben, wenn die Unterhaltung einmal erlahmt. Wenn man eine ſolch hohe und wichtige Stellung einnimmt, ſo muß man auch das Zeug hiezu haben.“
„Ganz richtig!— Vollkommen wahr!— Sehr gut bemerkt!“ riefen mehrere Stimmen.
„Oppoſition,“ ſagte lachend der Vorſitzende,„ſträfliche Oppo⸗ ſition! Ich werde mich veranlaßt ſehen, den Leim anbrennen zu laſſen und euch durch den dadurch entſtehenden Geruch zum Teufel zu jagen.“
„Das wäre einigermaßen Mißbrauch der Amtsgewalt,“ meinte der dicke Herr mit der rothen Naſe.„Allzu ſcharf macht ſchartig! Die Geſellſchaft würde ſich in ſolchem Falle veranlaßt ſehen, einen neuen Präſidenten zu wählen.“
„Eine fürchterliche Drohung!“ ſagte lachend der Doktor.
„Wir hätten in der That vorſichtiger ſein ſollen in der Wahl unſeres Oberhauptes,“ warf ein langer und ſehr dürrer Advokat ein, „er iſt leider unabſetzbar; wir waren leichtſinnig genug, dies aus⸗


