Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Geſellſchaft Leimſudia. 243

Der erſte Vicedirektor räuſperte ſich und fragte darauf, was denn eigentlich unter einem gehörigen Leim zu verſtehen ſei.

Hierauf antwortete Herr Knick:„Leim ſeie eine zähe, kleberige Subſtanz, ein Material, welches nur im warmen Zuſtande zu ge⸗ brauchen ſei.“ 3

Nach dieſer Antwort erſuchte die tiefe Stimme den zweiten Vicedirektor der Leimſudia, dem andern Aufzunehmenden ebenfalls eine Frage zu ſtellen.

Hierauf räuſperte ſich der zweite Vicedirektor und fragte den Herrn Wedel, was unter einem Leimſieder, nach der wahren Be⸗ deutung des Wortes, zu verſtehen ſei.

Herr Wedel beantwortete dieſe Frage zur vollkommenſten Zu⸗ friedenheit der Geſellſchaft, indem er ſagte: ein Leimſieder ſei dasjenige nützliche Mitglied der menſchlichen Geſellſchaft, welches jenen harten und zähen Stoff, Leim genannt, auf eine paſſende Art zum Nutzen und Frommen ſeiner Mitmenſchen zu behandeln verſtände.

Der Präſident mit der tiefen Stimme erſuchte alsdann den dritten Vicepräſidenten der Leimſudia, jenen beiden Herren die Statuten vorzutragen, worauf ſich der dritte Vicepräſident eben⸗ falls räuſperte und ſprach: Der Paragraph Eius der Statuten beſagt, daß die Geſellſchaft„Leimſudia“ wirklich und wahrhaftig beſtehe und daß die Mitglieder derſelben Leimſieder genannt wer⸗ den. Der Paragraph Zwei fügt hinzu, daß Paragraph Eins eigentlich vollkommen überflüſſig und deßhalb förmlich wieder auf⸗ gehoben ſei. Paragraph Drei macht es ebenſo mit Paragraph Zwei, und Paragraph Vier ſpricht die Vermuthung aus, daß nach einer ſolch gründlichen, umfaſſenden Darlegung der geſellſchaftlichen Verhältniſſe der Leimſudia keines der Mitglieder ferner im Un⸗ klaren ſein könne, welch wichtige Pflichten es durch den Beitritt zu derſelben auf ſich nehme. 8

Hierauf erſuchte der Präſident mit der tiefen Stimme den