Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Viertes Kapitel.

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dem nichts mehr, und eine tiefe Ruhe und Einſamkeit lag auf dem weitläufigen Gebäude.

Auf dem kleinen, heimlichen Ruheplatz in der Fenſtervertie⸗

fung, von der wir oben ſprachen, ſaß die alte Staatsräthin in ihrem weichen Fauteuil, und eine Zeitung, in der ſie vorhin gele⸗ ſen, war mit der rechten Hand, welche ſie bis jetzt gehalten, in ihren Schooß geſunken und von da herab unbeachtet auf den Boden gefallen, indem die Morgenlekture der alten Dame wahrſcheinlich durch andere Sachen, die ihren Geiſt beſchäftigten, unterbrochen worden war. Sie lehnte ſich in ihren Fauteuil zurück und ſchaute unverwandten Blickes durch das Fenſter auf die Straßen der Stadt und die im Sonnenſchein funkelnde und lachende Gegend, die ſich hinter dem Häuſermeer vor ihren Blicken ausbreitete. Sie trug ein ſchwarzes, ſeidenes Kleid, eine leichte Mantille von demſelben Stoff und derſelben Farbe, um den Hals ſchlang ſich ein kleiner, weißer Kragen, und ihr feines, bleiches Geſicht ſtach kaum von dem weißen Stoffe ab. Ihr Haar war ergraut und bedeckt mit einem Netz aus dunkelblauen Seidenfäden, das unter dem Kinne zugebunden war.

Die Staatsräthin, welche früher ſehr ſchön geweſen war, er⸗ ſchien heute noch als eine ſtattliche, gut ausſehende Frau. Ihr Körper, voll und rund, ſah nur faſt zu kräftig aus für die bleichen, krankhaften Züge ihres Geſichts, für den leidenden, ſchmerzlichen Ausdruck in demſelben. Doch war dieſer kränkliche Ausdruck nicht Theilnahme erweckend: man fühlte ſich von dieſem Geſichte nicht angezogen. In den hellen, klaren Augen und um den kleinen, meiſtens feſt verſchloſſenen Mund lag ein unbeſchreiblicher Zug von Feſtigkeit, ja Härte, der aber vollkommen zu der Redeweiſe der alten Dame paßte. Wir haben früher ſchon geſagt, daß die Staats⸗ räthin in einem Alter von ſtark fünfzig Jahren war. Oftmals

ſah ſie dafür ſehr gut aus, ja man hätte ſie für weit jünger halten

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