Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Unterredungen verſchiedener Art. 55

können; ein anderes Mal dagegen erſchien ſie wie eine vollkommen alte, ſtumpfe, abgelebte Frau.—

Madame Schoppelmann war durch Jakob, den Bedienten, ge⸗ meldet worden und ſtand ehrerbietig an der Thüre des Zimmers. Eine Handbewegung der Staatsräthin lud ſie ein, näher zu treten. Die Gemüſehändlerin trat darauf hin an die Fenſterniſche und überreichte der alten Dame das Körbchen mit den ſchönen Erd⸗ beeren.

„Ich danke ſehr,“ ſagte dieſe,„daß Sie ſich meiner erinnert; dieſe Erdbeeren ſind in der That von einer ſeltenen und ausgezeich⸗ neten Schönheit.“

„Ja, es ſind ausgeſuchte,“ entgegnete die Gemüſehändlerin; „ich habe mir gedacht, wenn ich einmal etwas ſelbſt zu Ihnen bringe, ſo muß es ſchon was Rechtes ſein.“

Die alte Dame nickte ernſt aber wohlwollend mit dem Kopfe.

„Es macht mir in der That ein großes Vergnügen,“ fuhr Madame Schoppelmann fort,„wenn ich der Frau Staatsräthin mit etwas aufwarten kann, was Ihnen angenehm iſt. Es iſt freilich nur eine Kleinigkeit, aber ich habe ſonſt nichts gewußt; Blumen lieben die gnädige Frau nicht beſonders, ſonſt hätte ich mir ſchon erlaubt, ein ſchönes Bouquet zu bringen.“

„Ich danke recht ſehr!“ antwortete die alte Dame und verſuchte eine der Erdbeeren.

„Nun, es iſt mir ganz recht,“ ſagte die Gemüſehändlerin, „daß ich Euer Gnaden wieder einmal ſehe und in ſo gutem Wohl⸗ ſein; mir ſcheint doch, die Frau Staatsräthin befindet ſich gegen⸗ wärtig recht wohl.“

„Es geht ſo, meine gute Frau, ich kann nicht klagen.“

„Ei, was das Klagen anbelangt,“ fuhr lächelnd die dicke Frau fort,„ſo glaube ich das recht gern; das Klagen kommt uns zu, gnädige Frau, Leute wie ich, die den ganzen Tag feſt hin ſtehen und arbeiten müſſen, von Morgens bis in die Nacht hinein immer

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