52 Viertes Kapitel.
pelmann, die ſich nun in der Küche in ihrer ganzen Breite auf⸗ pflanzte und mit einem lächelnden Geſicht ihre, dem Stubenmäd⸗ chen ſo eben ertheilte Vorwürfe wiederholte.„Ei, ei!“ ſagte ſie
lachend,„da iſt die ganze Familie beiſammen und läßt mich zwei⸗
mal ſchellen, und ſo eine arme, alte Perſon, wie ich bin, der das Stehen unendlich ſauer wird, muß draußen vor der Hausthüre warten, bis es den gnädigen Herrſchaften gefällig iſt. Das iſt ja ganz entſetzlich. Ja, Jakob,“ fuhr ſie lachend fort,„man wird alt, und da gilt man bei dem Mannsvolk nichts mehr. Ich weiß noch ſehr genau die Zeit, wo der damalige junge Jakob vier Trep⸗ pen auf einmal herab ſprang, um der Jungfer Margarethe die Thüre aufzumachen. He! iſt dem nicht ſo?“
„Das kann ich in der That nicht läugnen,“ ſagte ebenfalls lachend der alte Diener.„Aber Ihr müßt gerecht ſein, Frau Schoppelmann: wie hätten wir euch um zehn Uhr erwartet? Ihrkommt nie ſo ſpät, und wenn Ihr dagegen Morgens um acht Uhr an der Hausthüre ſchellt, ſo dauert es gewiß nie eine Minute, bis man Euch herein läßt.“
„Ja, ja, Kinder, das iſt ſchon wahr,“ ſprach die Gemüſehänd⸗ lerin;„aber laßt mich niederſitzen. Das Stehen und Laufen wird mir, abſonderlich in der Hitze, außerordentlich beſchwerlich.“
„Nanett, gib den großen Stuhl her!“ befahl die Köchin; und als ſich hierauf Frau Schoppelmann auf dieſen großen Stuhl niederließ, krachte derſelbe bedeutend und ſtöhnte laut auf, obgleich er aus dem dickſten, ſolideſten Eichenholze gemacht war.
Die Gemüſehändlerin hatte ihren Anzug von heute Morgen durch eine Haube mit dunkelbraunen Florbändern beſetzt, ſowie mit einem ſchwarzen Umſchlagtuch vervollſtändigt, und trug in ihrer Hand ein weißes, zierlich geflochtenes Körbchen voll der größ⸗ ten und ſchönſten Erdbeeren.
„Ci, ei,“ ſagte lachend die Köchin und zeigte auf dieſes „„ſolche Erdbeeren habt Ihr uns lange nicht beſorgt, und


