Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Unterredungen verſchiedener Art. 49

alte Stange mit hineingeſchnallt werden, ſonſt wäre Martin nicht auf den Bock geklettert.

Der alte Jakob, zu Lebzeiten des Staatsrathes deſſen Kam⸗ Irr dicher und einziger Vertrauter— denn das zwiſchen dem Staatsrath und dem Doktor Werner anfangs beſtandene genaue Verhältniß hatte ſich in ſpäterer Zeit ziemlich gelöst— ſaß auf einem hölzernen Küchenſtuhle und hatte die heutige Nummer der Zeitung beendigt. Das Stubenmädchen aber half der Köchin Erb⸗ ſen für den Mittagstiſch herrichten.

„So,“ ſagte der Kutſcher nach einem längeren Stillſchweigen, während deſſen man nichts vernommen, als das Krachen der Erb⸗ ſenſchoten und das Picken der Uhr,„jetzt hält die Geſchichte wieder für ein paar Monate.“

„Es wäre doch beſſer,“ meinte Jakob,„wenn Ihr bald ein⸗ mal neue kaufen wolltet, Meiſter Martin. Weiß der Herr, wie lange ich nun ſchon die blau und ſchwarz geſtreiften Decken kenne! Das muß ja dem Vieh gar nicht mehr recht warm geben.“

„Er hat ja ganz neue,“ entgegnete das Stubenmädchen lachend, und die ſchnallt er den Pferden oben auf die alten Decken hinauf.“

Dieſe Bemerkung wurde von Seiten des Kutſchers mit einer Miene voll Geringſchätzung, ja faſt Verachtung beantwortet. Er zuckte die Achſeln und ſagte:„Na, Jungfer Nanett, Ihrer Jugend muß man ſchon etwas zu Gut halten.“

Das Stubenmädchen, bei Weitem die Jüngſte dieſer ehrwür⸗ digen Geſellſchaft, wurde in ſolchen ſtreitigen Fällen immer noch wie ein unmündiges Kind behandelt. Sie war vor etwa zwanzig Jahren in einem Alter von ſechszehn in das Haus gekommen und die übrige Dienerſchaft konnte oder wollte nicht begreiſen, daß man in zwanzig Jahren um eben ſo viel älter wird.

Nach einer längeren Pauſe ſagte Jakob zum Kutſcher:„Geſtern

Hackländers Werke. X.