Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Viertes Kapitel.

merdieners verſehen, einer Köchin und einem Stubenmädchen, wel⸗ ches letztere zugleich die Verpflichtung hatte, der Staatsräthin vorzuleſen, oder, ſo oft die alte Dame dies ausdrücklich verlangte,

ihr Geſellſchaft zu leiſten.

Dieſe ſämmtliche Dienerſchaft betrachtete ſich wie eine Familie und führte neben einem, wie ſchon geſagt, behaglichen auch ein ſehr einträchtiges und auf dieſe Art äußerſt vergnügtes Leben. Die große Küche im unteren Stockwerk des Hauſes war das Haupt⸗ quartier derſelben, und auch an dem Tage, an welchem unſere Ge⸗ ſchichte beginnt, finden wir ſie ſämmtlich dort verſammelt. Sonſt ſind gewöhnlich die Köchinnen außerordentlich eiferſüchtig und laſſen durchaus keine Entheiligung des Terrains zu, auf welchem ſie ihre Kunſt zu entfalten pflegen. Mit der alten Martha des ſtaatsräthlichen Hauſes dagegen war das ganz anders, und wenn ſie ſo ganz allein in der Küche war, ſo befand ſie ſich in übler Laune, und kein Geſchäft ging ihr recht von der Hand. Wenn aber, wie heute, ihre ſämmtlichen Getreuen um ſie her gruppirt oder beſchäftigt waren, ſo flog das Fleiſchmeſſer oder die Spick⸗ gabel in ihrer Hand, die Kartoffeln ſchälten ſich faſt von ſelbſt, und man hätte meinen können, das Geflügel ſei in einer ganz unerklärlichen Mauſer begriffen, denn die Federn ſtäubten nur ſo davon, und im Umſehen war es kahl und glatt.

Martin, der Kutſcher, ſaß hinter der Thüre unter der alten Schwarzwälderuhr und flickte mit Beihülfe des Stubenmädchens an einer alten Pferdedecke, deren Riſſe und Löcher er mit allerhand buntfarbigem Zwirn aufs kunſtreichſte zu vertilgen ſuchte. Er hatte eine Schwäche, einen Aberglauben für ſeine langgebrauchten Stallrequiſiten, und hätte ſich um Alles in der Welt nicht dazu entſchließen können, ſeinen Pferden etwas ganz Neues aufzulegen. Ja, wenn er im Laufe der Zeiten einmal neue Geſchirre bekommen hatte, ſo mußten wenigſtens ein paar gebrauchte Riemen oder eine