Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Unterredungen verſchiedener Art. 47

Hauſe der Staatsräthin unumſchränkt ſeine Befehle ertheilte und überhaupt handelte, wie es ihm gefiel, ſo kann man dagegen nicht behaupten, daß ihn die Dienerſchaft deßhalb hiezu berechtigt hielt oder ihm gern und willig dieſes Recht zuerkannte. Wenn ſie auch ſeinen Befehlen Folge leiſten mußte, ſo geſchah dies doch mit großem Widerwillen, den ſich die Aelteſten dieſer Dienerſchaft, ergraute, er⸗ probte Leute, zu verhehlen auch durchaus keine Mühe gaben.

Die Staatsräthin hatte den zweiten Stock ihres Hauſes, deſſen Zimmer früher ſo beſtanden wie die des erſten Stockes, für ſich wohnlicher einrichten laſſen. Die alten dunklen Tapeten hatten freundlicheren, helleren Platz gemacht, die ſchweren Möbel waren mit leichten, nach neuerem Geſchmacke vertauſcht worden; kurz, die ganze Wohnung hatte man nach unſeren Begriffen elegant und comfortabel hergeſtellt. Die großen Fenſter mit ihren tiefen Niſchen

hatte man allerdings nicht ändern können; doch verwandelte der

Geſchmack der Staatsräthin dieſe früher etwas finſteren Winkel in angenehme Ruheplätze, und auf einem derſelben, welcher einen freien Blick über einen großen Theil der Stadt geſtattete, war ihr Lieb⸗ lingsſitz, wo ſich denn auch die alte Dame den größten Theil des Tages aufhielt. Es war ein kühles heimliches Plätzchen, die dicken Mauern des Hauſes erlaubten der Sonne nur, ſich von außen auf die Scheiben zu lagern und, ſtatt in übermäßiger Hitze einzudrin⸗ gen, dieſes Plätzchen ſanft zu erwärmen. Ein weicher violetſammt⸗ ner Fauteuil ſtand in der Vertiefung dieſes Fenſters, vor demſel⸗ ben ein kleiner Tiſch, worauf Bücher und Zeitungen lagen, mit welchen ſich die Staatsräthin beſchäftigte, wenn ſie es müde war, auf die Straßen hinab zu ſchauen oder auf die Berge, die, mit Wäl⸗ dern gekrönt, rings die Stadt umgaben.

Die Dienerſchaft der Staatsräthin führte ein äußerſt behag⸗ liches Leben; ſie war nicht zahlreich und beſtand nur aus einem alten Kutſcher, einem Manne an die Sechszig, einem ebenſo alten Bedienten, der bei dem ſeligen Staatsrathe die Stelle eines Kam⸗