Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Eine merkwürdige Epiſode. 43

kommenſten Nachdruck. Dieſe beiden weiblichen Weſen verhielten ſich aber auch in der That zu einander, wie ein dicker Laubfroſch

mit heller, weit hinſchallender Stimme zu einer dünnleibigen,

ängſtlich flatternden, leiſe ſumſenden Mücke.

„Nein, mein liebes Kind,“ ſagte der Laubfroſch— wir wollen ſagen: die Gemüſehändlerin— und legte ihre fleiſchige, ſchwere rechte Hand vertraulich auf die Schulter der armen Mücke, daß ſie faſt zuſammenbrach;„laſſen Sie ſich dergleichen gar nicht anfechten! Das mit der Choriſtin ſind Kleinigkeiten, wiſſen Sie, da kann man nichts machen; aber wenn Ihnen einmal Jemand ernſtlich in den Weg träte und Ihnen nur das Geringſte zu Leid thun wollte, da kommen Sie zur Frau Schoppelmann, die nimmt es nicht blos mit einer Choriſtin auf, ſondern, das kann ich Ihnen verſichern, ſelbſt mit dem ganzen Hoftheater, wenn es nothwendig wäre. Da ſeien Sie ganz ruhig.“

„O lieber Gott!“ ſeufzte Clementine nach einer Pauſe,„das weiß ich ganz genau und erkenne es auch dankbar an, wie Sie mich in jeder Hinſicht beſchützen. Aber hier— damit zeigte ſie auf ihr Herz— thut einem doch ſo etwas ſehr weh. Ach, ein Mädchen fühlt ſo zart in dem Punkt!“

„Verſteht ſich!“ ſagte gutmüthig die dicke Frau;„aber man muß Jederman ſeine Freiheit laſſen. Man muß an ſich ſelbſt denken; wer weiß, wer weiß, Jungfer Strebeling, es iſt noch nicht aller Tage Abend, auch Sie werden ſchon noch einmal einen Lieb⸗ haber auf die Treppe begleiten!“—

„O lieber Gott, Frau Schoppelmann!“.

„Denken Sie an mich!— Tanzen kann ich freilich nimmer, aber tüchtig eſſen und trinken werde ich gewiß noch auf Ihrer Hochzeit. Na, laßt die Geſchichte gut ſein! Mit der Choriſtin werde ich übrigens auch ein ernſtes Wort reden; jetzt muß ich aber auf meinen Markt und nach meinen Sachen und meinem