Drittes Kapitel.
ich war ſchon einmal da, aber vor deiner Thüre ſah ich etwas, was mir durchaus nicht gefallen wollte— wiſſen Sie, Jungfer
Strebeling, die Stiefel nämlich neben meinen Schuhen— und ich
erwiderte ihm ganz ruhig: Schoppelmann, Er iſt ein Narr, verſteht Er mich? und wir wollen ſchon ſehen, wem die Stiefel gehören! Weiß Er was, fang Er einmal tüchtig an, mit mir zu ſchreien und zu ſchimpfen! Und das that denn auch der ſelige Schoppel⸗ mann, ſo gut als möglich; aber darin konnte er nie etwas leiſten. Und als er ſo eine Zeit lang fortgeſchrieen und endlich ſtill wurde, hörte ich ſie im Nebenzimmer lachen, und dann machte einer lang⸗ ſam drinnen die Zimmerthüre auf und ſchlurfte in den Strümpfen auf den Gang hinaus bis vor meine Stube, um ſeine Stiefel wieder zu holen. Ich aber hatte meine Stubenthür ein ganz klein wenig geöffnet und ſtreckte langſam die geöffnete Fauſt hinaus; und wie ich ſie nun ſo plötzlich wieder zumache und darin etwas Le⸗ bendiges zappeln fühle, ſo ziehe ich es zu mir herein, und was war es, Jungfer Strebeling?— ſo ein kleiner miſerabler Laden⸗ ſchwengel! ein gebrechliches Ding, kaum vier Fuß hoch, und ſah aus wie ein geſpaltener Rettig, und war blaß und zitterte, wie ich es vor mich hinſtellte, und die Stiefel hielt er in ſeiner Hand, und ich fragte ihn: Wem gehören dieſe Stiefel, du Ding? und er antwortete: Mir— mir— ich will Sie aber gewiß in meinem ganzen Leben nicht mehr plagen, Jungfer Margarethe! Und dar⸗ auf lachte der ſelige Schoppelmann und ſagte: Es iſt abgemacht, Margarethe, ſei ſo gut und wirf das Ding vor die Thür!— Und draußen lag er mit ſammt ſeinen Stiefeln.— Ja, ſehen Sie, Jungfer Strebeling, ſo was geſchah mir als lediger Perſon in fremden Häuſern, und jetzt denken Sie ſich, was das wilde Volk erſt mit Ihnen anfangen würde!“
Bei dieſen Worten ſtellte ſich die Gemüſehändlerin in ihrer ganzen breiten, koloſſalen Geſtalt wie zum Vergleich vor die alte Jungfer hin und gab damit den eben geſagten Worten den voll⸗
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