Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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8 Eine merkwürdige Epiſode. 41

herr ſich um gar nichts bekümmert, oder noch obendrein darüber lacht, wenn die jungen Leute den Nebenwohnenden allerlei Schaber⸗ nak aufführen.“

„Und das kommt zuweilen vor,“ fragte ſchüchtern die alte Jungfer,„daß ſolche ſchreckliche Lente ein ehrbares Frauenzimmer beläſtigen?“

„O, das kommt ſehr oft vor,“ antwortete wichtig die Gemüſe⸗ händlerin; und wiſſen Sie, Jungfer Strebeling, Sie ſind eine zarte Perſon, Sie können ſich nicht helfen. Aber ſehen Sie einmal mich an, ich war freilich nicht immer ſo dick, wie jetzt, aber neh⸗ men Sie meine Katharine. Nun, ich war vielleicht in den Jahren noch einmal ſo ſtark, und wer von mir eine Ohrfeige bekam, der wußte davon zu erzählen. Nun, alſo denken Sie ſich, mich ſogar ließen ſie nicht in Frieden! Ich habe damals in einem Hauſe in der Lederſtraße gewohnt, ledig wie Sie— ehe ich nämlich den ſeligen Schoppelmann heirathete— und da wohnten neben mir auch ſo ein paar Galgenſtricke, und jeden Sonntag Morgen kam der ſelige Schoppelmann, mich zum Spaziergang abzuholen, und das wußten dieſe Gauner. Was thun ſie einmal? Sie gehen des Samſtag Nachts, als ich ſchon lange zu Hauſe war, her, und einer ſtellt mir vor meine Kammerthür ſeine Stiefel neben meine Schuhe, und da mag man ſagen, was man vill, das ſieht verdächtig aus. Und den andern Morgen warte ich auf den ſeligen Schoppelmann, und er kommt nicht, und ich warte noch eine Stunde, und er kommt immer nicht. Und wie ich endlich zum Fenſter hinaus⸗ ſchaue, da ſteht er an der Straßenecke mit einem langen Geſicht, wie Butter an der Sonne, und ſchaut immerwährend mein Haus au. Ich winkte ihm natürlicher Weiſe, aber ich mußte ihm lange winken, bis er endlich kam, und dann machte er ein Geſicht— nun, das will ich in meinem ganzen Leben nicht vergeſſen— und

ſagte mit ganz trotzigem Tone, als ich ihn fragte, warum er heute

Morgen nicht gekommen, mich abzuholen: Margarethe, ſagte er,