Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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40 Drittes Kapitel.

„Nun, nun, liebes Kind,“ ſprach die Gemüſehändlerin.„das iſt der Lauf der Welt, und am Ende haben Sie ſich doch geirrt. Man muß nicht immer das Aergſte von den Leuten glauben. Ich will mit der Choriſtin ſprechen, ſie ſoll ihr dummes Zeug laſſen; aber geben Sie Acht, Jungfer Strebeling, Sie haben ſich gewiß geirrt!“

Clementine ſchüttelte wehmüthig ihr Köpfchen, doch war dieſer

Gegenſtand für ſie zu zart, um ihn nochmals zu berühren. Auch nahm ſie es als einen ſüßen Troſt, daß ſie ſich in Betreff der Männerſtimme vielleicht doch geirrt haben könnte. Aber daß ſie heute Morgen geſehen, mit ihren beiden Augen geſehen, wie eben jene Choriſtin auf der Treppe, auf der gemeinſchaftlichen Treppe, die auch ihr Fuß betreten mußte, einen jungen Mann geküßt, das erzählte ſie jetzt der Gemüſehändlerin, und es that ihr in innerſter Seele weh, daß Madame Schoppelmann über dieſe ſchreckliche Geſchichte nicht außer ſich gerieth, vielmehr ruhig ihre dicken Achſeln zuckte und ſagte:

„Ja, mein liebes Kind, man kann in dieſer Welt nicht nach allen Fliegen ſchlagen. Etwas Unangenehmes gibt es in jedem Hauſe, und bei mir iſt es doch wahrhaftig ſehr ſtill, ſehr behaglich! — Denken Sie ſich nur, Jungfer Strebeling, wenn Sie in eine Straße zögen, wo z. B. das Militär vorbei zieht, wo die Unter⸗ offiziere herumflankiren, wo die Offiziere zu Pferd bei den Fenſtern vorbeireiten und in alle Häuſer hinein ſchauen, wo Sie den ganzen Tag die wilden Trommeln und Regimentsmuſiken hören müßten, wo Ihnen vielleicht gegenüber ein unternehmender Ladendiener wohnte, der Ihnen Abends neugierig ins Fenſter blickte!“

Clementine ſchauderte.

„O, wenn Sie in ein Haus zögen, wo viele junge Herren zu Miethe wohnen, die Nachts um zwölf Uhr nach Hauſe kommen,

oder die bei ſich ſpielen und trinken und dazu allerhand läſterliche

Lieder ſingen! Ja, das ſollten Sie erſt erleben! Und wo der Haus⸗

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