Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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38 Drittes Kapitel.

ter in der Taufe deu zarten Namen Clementine erhalten— hatte heute Morgen wirklich etwas auf dem Herzen und mußte jetzt ſich ſchon entſchließen, damit aus freien Stücken heraus zu rücken; denn ſie bemerkte wohl, wie Madame Schoppelmann nicht die geringſte Anſtalt machte, ſie nochmals darum zu befragen.

„Ach,“ ſagte ſie nach einer Pauſe,„ich war bis jetzt ſo gern hier

in dem Hauſe bei Ihnen zur Miethe, werthe Madame Schoppelmann, auf meinen beiden kleinen, heimlichen Zimmern hinten heraus, wo man nichts bemerkt, als die lieben grauen Mauern des Nebenhau⸗ ſes, darüber ein Stückchen blauer Himmel, wenn es nicht gerade regnet, und das goldene Kreuz der Spitalkirche, freundlich darüber hinglänzend

in hoc signo.“ „In was?“ fragte die Gemüſehändlerin. „O lieber Gott, ich mein's ja nur ſo!“ fuhr Clementine fort;

„aber ich war in dieſem Hauſe ſo gern, ſo unendlich gern, daß es mir Schmerz machen würde, es verlaſſen zu müſſen.“

Auf dieſe Anrede hin, die der dicken Frau unerwartet kam,

ließ ſie die eine Hand mit dem Spüllappen herunter ſinken, ſtemmte die andere in die Seite und ſagte in lang gedehntem Tone:„Wa — a— 8? Sie wollen unſer Haus verlaſſen, Jungfer Strebeling, aus⸗ ziehen, eine andere Wohnung nehmen?“ 3

„Das habe ich eigentlich noch nicht geſagt,“ entgegnete Cle⸗ mentine mit ängſtlicher Stimme;„vielmehr meinte ich, es würde mir außerordentlich ſchwer fallen, wenn ich dieſes Haus verlaſſen müßte.“

„Ja ſo!“ verſetzte beruhigt die Gemüſehändlerin.„Aber ins Kukus Namen! wer will Sie denn zwingen, dieſes Haus zu verlaſſen? Jemand, der ſo ruhig iſt, wie Sie, und ſeine Miethe ſo pünktlich bezahlt, der wird gewiß von keinem Hausbeſitzer moleſtirt.“

„O lieber Gott!“ entgegnete die alte Jungfer;„aber andere Umſtände zwingen mich.“ „Andere Umſtände?“ ſagte erſtaunt die Gemüſehändlerin; doch