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Eine merkwürdige Epiſode. 32
über ein lautes Wort der Nachbarſchaft und dergleichen mehr. Sie war eine ehrbare alte Jungfer, hoch in den Dreißigen; ihr Vater, ein ſeliger Schneidermeiſter, hatte ihr ein kleines Vermögen hiuter⸗ laſſen, von dem ſie leben konnte, aber dabei ſo wenig Vorzüge des Körpers, daͤß es noch nie einem männlichen Weſen eingefallen war, von der Jungfer Strebeling die kühne Vermuthung aufzuſtellen, als ſei auch ſie zur Liebe geſchaffen. Sie hatte eine verheirathete Schweſter, ein unzartes Weſen, mit der ſie nicht gern verkehrte; denn dieſe hatte ihr eines Tages die abſurde Zumuthung gemacht, ſie, die Jungfer Strebeling nämlich, möchte doch die Güte haben, einen Knopf an den Hoſen ihres Schwagers feſtzunähen. Schau⸗ dernd war ſie nach Hauſe entwichen, und das eben Erzählte, ſowie ähnliche, wenn auch minder ſtarke Angriffe auf ihre Sittſamkeit, hatten ihre zarte Seele ſo in den leichten Körper hineingeſchüchtert, daß ſie am liebſten allein war, und daß ſie ſich in ihrer Einſam⸗ keit als die größte Seligkeit ausmalte: ach, wenn ich doch katho⸗ liſch geboren wäre und in ein Kloſter gehen dürfte! Ihr— davon war ſie feſt überzeugt, könne nach jahrelanger Buße der Heiligen⸗ ſchein nicht entgehen, und ſchon jetzt kam ſie ſich wie ein vollkommen reiner, geſchlechtsloſer Engel vor. Das einzige Sündhafte oder vielmehr Irdiſche, was dieſem geläuterten Weſen noch anklebte, war eine geringe weltliche Eitelkeit in Betreff ihrer Kleidung. Nicht als ob ſie Aufwand und Luxus gemacht hätte— Gott bewahre! aber ſie konnte ſelbſt Tage lang darüber weinen, nachdem ſie ein buntfarbenes Kleid gekauft, oder glänzende Bänder für ihre Haube, und konnte durchaus nicht begreifen, woher dieſe ſündhafte Neigung komme.— Ach, gewiß nur von den vielen bunten Lappen, die ihr Vater, der ſelige Schneidermeiſter, in die Hölle fahren ließ, und ſie begriff ſelbſt nicht, weßhalb ſie ihr Aeußeres nicht vor den Blicken der Welt analog ihrem Inneren darſtellte: Grau in Grau ſchattirt..
Jungfer Strebeling— ſie hatte von ihrer gefühlvollen Mut⸗


