Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Drittes Kapitel.

„O lieber Gott!“ wiederholte das geängſtigte blaue Weſen; aber in dem Ton und in der Stimme, womit ſie dieſen Ausdruck wiederholte, lag es deutlich, daß es das nicht ſei, was ihr zartes Gemüth beängſtigte.

„Haben Sie Kopfſchmerzen?“

„O lieber Gott!“

„Iſt Ihnen denn überhaupt was paſſirt?“

„O lieber Gott!“

„Und wollen Sie etwas ſagen?“

„O lieber Gott!“

„Nun, ſo reden Sie ins Kukuks Namen! denn ich bin wahr⸗ haftig nicht im Stande, Ihr Gefaſel zu errathen! Oder wenn Sie nichts ſagen wollen, iſt mirs auch recht. Ich kann das Gewinſel ſo nicht recht vertragen, Jungfer Strebeling, das wiſſen Sie; alſo wenn Sie mich damit verſchonen wollen, iſt mirs ganz recht.“

„O lieber Gott!“ gab die alte Jungfer verſchämt zur Antwort und hielt den meergrünen Sonnenſchirm vor ihr gelbliches Ge⸗ ſicht, welches dadurch eine wunderbare Schattirung erhielt.

Die dicke Frau aber beſchäftigte ſich, ohne ſich um ihren Be⸗ ſuch weiter zu bekümmern, mit dem Ausſpülen ihrer Taſſen, und die rappelten in dem Kübel durcheinander, und das Waſſer plät⸗ ſcherte, oder es ziſchte zuweilen laut auf, wenn die Frau in ihrem Amtseifer etwas auf den heißen Herd ſpritzte. Sie that gerade, als ſei Niemand gegenwärtig, und ihr, die ſie die Jungfer Stre⸗ beling genau kannte, mochte es auch wohl einerlei ſein, eine von deren lamentablen Geſchichten zu vernehmen.

Ddie Jungfer Strebeling war nämlich bekannt dafür, daß ſie das Leben ſtets von der Schattenſeite auffaſſe, und daß ihr der Tag als verloren erſchien, ihr ungenießbar vorkam, den ſie nicht mit ihren Thränen beträufelt. Dabei wußte ſie nicht immer, weß⸗ halb ſie weine; denn in Ermangelung eines wirklichen Schmerzes weinte ſie über einen trüben Sommertag, über eine todte Fliege,