Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Drittes Kapitel.

deutlich ein, daß man ſchon früher von dieſer Sache geſprochen, ſie gewarnt und ihr dabei geſagt, ſie ſolle die ſchöne Katharina hüten, denn jener Herr Eugen, einer der lockerſten Pflaſtertreter der

Reſidenz, beſchäftige ſich in ſeinen immerwährenden Freiſtunden damit, ihrer Tochter auffallend die Cour zu machen.*

Wir wollen das ſchon arrangiren! ſagte die Frau für ſich

und begab ſich daran, ihr Kaffeegeſchirr zu ſpülen und Kannen und

Taſſen, Butter und Brod wieder an ihrem gehörigen Ort unter⸗ zubringen. 3

Doch war ſie mit dieſem Geſchäfte noch nicht ſehr weit ge⸗ kommen, als ein neuer Beſuch bei ihr eintrat.

Drittes Kapitel.

Madame Schoppelmann erhält einen Beſuch. bel welcher Veranlaſſung wir eine merkwürdige Epiſode aus ihrem Leben zu hören bekommen. Ein ziemlich lehrreiches Kapitel.

Dieſer neue Beſuch, ein Frauenzimmer in der Tracht der Bür⸗ gertöchter, war eine lange, dürre Geſtalt, angethan mit einem Kattunkleid von zarter hellblauer Farbe. Auf dem Kopfe trug ſie eine Haube, mit Roſabändern verziert, und in der and hatte ſie einen Sonnenſchirm von blaſſem, ſeegrünem Seidenzeuge, an den

äänden aber weiße baumwollene Handſchuhe. Das Geſicht dieſer

Geſtalt paßte eigentlich durchaus nicht zu den eben genannten

jugendlichen, friſchen Farben, wäre vielmehr in einer Umhüllung von Grau und Schwarz weit beſſer an ſeinem Platze geweſen. Es war ein langes, mageres Geſicht, mit dünnen, wenig gerötheten Lippen und großen, faſt glanzloſen Augen von einer Farbe, als hätte man Vergißmeinnicht in Milch gekocht.