Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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30 Zweites Kapitel.

dem Nebenzimmer hervor, jetzt vollſtändig angezogen, einfach, in einer Tracht, die zwiſchen denen der Dienſtmädchen guter Häuſer und der Bürgerstöchter die Mitte hielt. Von jenen hatte ſie das ſchwarze nette Mieder entlehnt, von dieſen den langen Rock, und der Schnitt des ganzen Kleides paßte ſo gut zuſammen und war in den Farben ſo geſchmackvoll gewählt, daß Jedermann, der dieſer vollen, prächtigen Geſtalt mit dem friſchen, blühenden Geſichte begegnete, unwillkürlich ſtehen bleiben und zu ſich ſelbſt ſagen mußte: Das iſt in der That ein ſchönes Mädchen!

Die Familie, durch den vorherigen Streit etwas verſtimmt, wechſelte während des Kaffeetrinkens nicht ein einziges Wort, und es wäre ſolcher Geſtalt im Gewölbe ſehr ſtill geweſen, wenn nicht in dieſem Augenblicke ungefähr ein Dutzend Weiber nach und nach eingetreten wären, die ſich auf den Steinen am Herd und den davorſtehenden Stühlen ziemlich geräuſchvoll niederließen. Ob⸗ gleich dieſe Weiber Colleginnen, wenn gleich ärmere und unbedeu⸗ tendere Colleginnen der Madame Schoppelmann waren, ſo wagte doch keine, die feierliche Kaffeeſtunde durch eine laute Frage an die Frau zu unterbrechen, vielmehr begnügten ſich alle mit einem ſtummen Gruße, der von Madame Schoppelmann ebenſo ſtumm,

wenn gleich etwas vornehmer, erwidert wurde. Unter ſich dagegen

ſprachen die Weiber bald leiſe, bald lauter, und es herrſchte eine lebhafte Unterhaltung, welche ſich natürlicher Weiſe nur um ihr Geſchäft, den Gemüſe⸗ und Obſthandel, drehte.

Jetzt hatte Madame Schoppelmann ihren Kaffee mit der be⸗ deutenden hierzu gehörigen Menge von Brod und Butter zu ſich genommenz; ſie rückte ihre Haube zurecht, erhob ſich dann ſchwerfällig von ihrem Sitze, wobei ſie ihre beiden Arme auf den Tiſch ſtützte, daß er krachte. Dann trat ſie mit einer gewiſſen Würde und Feierlichkeit an den Herd in den Kreis jener Weiber, die ſich darauf ehrfurchtsvoll von ihren Sitzen erhoben.

Nach einer kleinen Pauſe, während welcher die Weiber erwar⸗