Teil eines Werkes 
10. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Eine ſchöne Tochter iſt ſchwer zu hüten. 29

daneben. Aber obgleich ſie das Geſpräch von vorhin nicht laut fortſetzte, ſo ſah man doch ihrem Mienenſpiel an, daß ſie dieſe Geſchichte nicht ganz gleichgültig aufnahm, ſondern vielmehr eifrig darüber nachdachte. Zuweilen ſchüttelte ſie den Kopf, ſeufzte auch wohl gelinde auf, und als ſie das Frühſtück hergerichtet hatte, ließ ſie ſich mühſam auf einen breiten, ſchweren Stuhl an dem Tiſche nieder und legte, ſtatt zuzulangen, die Hände in den Schooß.

Haſt du, fragte ſie nach einer Pauſe,deine Schweſter vor⸗ hin nur necken wollen, wie es unter euch Mode iſt, oder ſagt man wirklich in der Stadt etwas über ſie und jenen Herrn Eugen?

Allerdings ſagt man etwas! entgegnete beſtimmt der Bruder und goß ſich eine Taſſe Kaffee ein.Und man ſagt ſogar recht viel über Herrn Eugen und Jungfer Katharine, über die ſchöne Katharina, wie die Leute ſie nennen.

Ueber mein Kind! ſagte ernſt die Mutter.Aber Katha⸗ rine, fuhr ſie nach einer Pauſe eifriger fort und ſchüttelte die Hand,weiß gewiß nichts davon, ſie iſt ganz unſchuldig. Doch dem Herrn Eugen ſollte man das legen.

Ja, wenn ich's ihm nur legen dürfte! meinte der Fuhrmann und ſchnitt ſich ein ungeheures Stück Brod ab;ich wollte es ihm ſo legen, daß er ſich ſelbſt mit legen müßte. Soll ich ihm vielleicht einmal in den Weg laufen und ein Wort mit ihm ſprechen?

Nein, nein, ſagte die Mutter,das iſt keine Sache für deine Hände. Gott ſoll mich bewahren! Darin will ich ſchon meine eigenen Gänge machen. Der Katharine will ich den Kopf ſchon zurecht ſetzen, und wenn die Frau Staatsräthin eine rechtſchaffene Dame iſt, ſo wird ſie mit ihrem Sohne das Gleiche thun. Laß mich nur machen.

Der Bruder wollte noch Einiges entgegnen, doch bat ihn Madame Schoppelmann, jetzt gefälligſt ſein Maul zu halten, denn ſie wolle ihren Kaffee in Ruhe trinken.

Nach einigen Augenblicken kam auch Katharina wieder aus